Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 17. Die supplementären Prinzipien. 133 
bildungsproblems ist in diesem Falle prinzipiell dieselbe wie im früher behandelten, 
Nur können wir den Preis des Produktes p jetzt nicht ohne weiteres gleich den letzten 
Produktionskosten x setzen. Wird p vorläufig als bekannt angenommen, so müssen 
alle Betriebe, deren Produktionskosten kleiner als p sind, für die Produktion in 
Anspruch genommen werden. Wir bezeichnen die Produktionskosten des letzten 
Betriebes mit x,. Das Differentialprinzip erfordert, daß p nicht kleiner ist als x,. 
Dagegen kann p jetzt größer als x, sein, jedoch nicht höher als x,, wenn x, die 
Produktionskosten des nächsten eventuell in Anspruch zu nehmenden Betriebs 
bezeichnet. Sobald p als gegeben gedacht wird, kann man die nächst niedrigen 
Produktionskosten x, finden. Anderseits ist mit p auch die Nachfrage gegeben. 
Die gesamte Produktmenge A muß gleich dieser Nachfrage sein und ist folglich 
als bekannt zu betrachten, sobald p gegeben ist. Die Produktmenge A ist aber, 
entsprechend der Gleichung A = f (x), mit x, gegeben. Wohl besteht im vorliegen- 
den Falle eigentlich keine Gleichung A = f (x), sie ist aber ersetzt durch einen ganz 
bestimmten Zusammenhang zwischen der gesamten Produktmenge und den Pro- 
duktionskosten des letzten Betriebes x,. 
Wenn der Preis des Produkts höher als die letzten Produktionskosten ist, so 
hängt dies davon ab, daß die gesamte Produktmenge, die mit Inanspruchnahme 
einer gewissen Zahl von Betrieben produziert wird, doch immer noch zu knapp ist, 
um die Nachfrage, die bei einem den Produktionskosten des letzten Betriebs ent- 
sprechenden Produktpreis besteht, zu befriedigen. Das Prinzip der Knappheit 
tritt dann in Wirksamkeit und drückt die Nachfrage durch einen erhöhten Preis so 
weit hinab, daß sie mit der von den in Anspruch genommenen Betrieben hergestellten 
gesamten Produktmenge befriedigt werden kann. Eine Grenze für diese Erhöhung 
des Preises ist durch die Produktionskosten des ersten noch nicht in Anspruch 
genommenen Betriebs gesetzt. Zwingt die Nachfrage den Preis bis auf diese Pro- 
duktionskosten zu erhöhen, so wird der betreffende Betrieb zugleich für die Pro- 
duktion in Anspruch genommen. 
Auch diese Ergebnisse gelten für den soeben betrachteten Fall, daß die Ver- 
schiedenheit der Produktionskosten in verschiedenen Betrieben auf die wechselnde 
Qualität eines Produktionsmittels zurückzuführen ist. Wenn wir wie vorher dieses 
Produktionsmittel bei Berechnung der Produktionskosten außer acht lassen, so 
finden wir, daß der Produktpreis vielleicht höher als die Produktionskosten des 
letzten Betriebs ist. Der Unterschied ist dann der Preis des Produktionsmittels, 
das im letzten Betrieb verwendet wird. Dieser Unterschied hängt nämlich aus- 
schließlich von einer Knappheit dieser Qualität des Produktionsmittels ab. Wäre 
diese Qualität im Überfluß vorhanden, müßte ihr Preis auch gleich Null sein, und 
der Produktpreis könnte überhaupt nicht über den übrigen Produktionskosten des 
letzten Betriebes stehen. 
Das Prinzip der Preisbildung bei sinkenden Durchschnittskosten läßt sich ohne 
weiteres in unserer Lösung des allgemeinen Preisbildungsproblems einfügen. Wir 
denken uns, wie im 8 13, der Einfachheit halber, daß die ganze Produktion in einem 
einzigen Betrieb betrieben wird und daß die Produktionskosten per Einheit des 
Produkts mit steigendem Umfang der Produktion in einem bestimmten Verhältnis 
abnehmen, so daß zwischen Umfang der Produktion und durchschnittlichen Pro- 
duktionskosten eine gegebene Gleichung besteht. Da der Umfang der Produktion 
und folglich die Produktionskosten nicht von vornherein gegeben sind, haben wir 
hier wieder eine neue Unbekannte in unser Gleichungssystem einzuführen und wählen 
dafür auch jetzt den Preis p des fertigen Produkts. Wenn p vorläufig als gegeben 
betrachtet wird, so kennen wir die Nachfrage nach dem Produkt, folglich auch die 
Ausdehnung der Produktion. Nach unserem zweiten supplementären Prinzip muß 
anderseits p gleich den durchschnittlichen Produktionskosten sein. Sowohl der 
Umfang der Produktion wie die durchschnittlichen Produktionskosten sind demnach
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.