Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 18. Die aktiven Bestimmungsgründe der Preise, 3 
mengen denselben Preis haben sollen, ist also die Differentialgleichung p,dx + p,dy 
= 0, WO pı und p; die Preise der beiden Produkte bezeichnen. 
Die Untersuchungen dieses Paragraphen können vielleicht etwas zu abstrakt 
vorkommen, um für eine Wissenschaft, die das praktische Wirtschaftsleben zum 
Gegenstand hat, wirkliche Bedeutung zu haben. Indessen sind diese Untersuchungen 
nicht zu vermeiden, wenn man ein richtiges Bild der Preisbildung als eines einheit- 
lichen Prozesses, durch welchen alle Preise gleichzeitig bestimmt werden, gewinnen 
will. Und erst diese einheitliche Auffassung der Preisbildung gibt uns den not- 
wendigen Überblick über den ganzen Ursachenzusammenhang, der die verschiedenen 
Vorgänge der Tauschwirtschaft verbindet. Da unser ursprünglich auf dem Prinzip 
der Knappheit aufgebautes Gleichungssystem, in den Punkten, wo die supplementären 
Prinzipien es erfordern, vervollständigt, diesen einheitlichen Zusammenhang wider- 
spiegelt, geht daraus deutlich hervor, daß die gesamte Tauschwirtschaft wesent- 
lich vom Prinzip der Knappheit beherrscht wird. Dies gilt nicht nur von den Preisen 
der fertigen Güter, sondern überhaupt von der ganzen Preisbildung und der ganzen 
Leitung der Produktion. Insbesondere wird die gesamte wirtschaftliche Verteilung 
in einer den Forderungen der Wirtschaftlichkeit genügenden Tauschwirtschaft 
wesentlich vom Prinzip der Knappheit reguliert. Die Konsequenzen dieser Er- 
kenntnis werden wir im folgenden Buche ziehen. 
$ 18. Die aktiven. Bestimmungsgründe der Preise, 
Die Frage, welche die Bestimmungsgründe der Preise sind, ist 
durch die vorhergehende Untersuchung im Prinzip beantwortet. Sie 
sind teils subjektiver, teils objektiver Art. Die subjektiven Bestim- 
mungsgründe der Preise liegen in der Art der Abhängigkeit der Nach- 
frage nach den fertigen Produkten von den Preisen dieser Frodukte. 
Die objektiven Bestimmungsgründe der Preise werden, wenn nur auf 
das Prinzip der Knappheit Rücksicht genommen zu werden braucht, 
einerseits durch die technischen Bedingungen der Produktion, ander- 
seits durch die Mengen der zur Verfügung stehenden Produktionsmittel 
dargestellt. In den Fällen, wo auch die supplementären Prinzipien 
der Preisbildung zur Geltung kommen, werden diese Bestimmungs- 
gründe zum Teil modifiziert und durch andere ersetzt. Das Differential- 
prinzip führt z. B. die Art der Abhängigkeit der technischen Produk- 
tionsbedingungen von der Ausdehnung der Produktion, das Substitu- 
tionsprinzip die Art des Zusammenhangs zwischen den Mengen der 
Produktionsmittel, die einander teilweise ersetzen können, als objektive 
Bestimmungsgründe der Preisbildung ein. 
Die jetzt genannten drei Gruppen von Bestimmungsgründen der 
Preise nennen wir die unmittelbaren Bestimmungsgründe derselben. 
Wir haben in unserer bisherigen Behandlung des Preisbildungsproblems 
diese Bestimmungsgründe als gegebene Faktoren betrachtet. Indessen 
sind auch diese Faktoren ihrerseits von einer Menge verschiedener Fak- 
toren des wirtschaftlichen und allgemein menschlichen Lebens abhängig. 
Will man den Einfluß solcher Faktoren auf die Preisbildung studieren, 
so hat man aber zunächst ihren Einfluß auf die unmittelbaren Bestim- 
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