Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung, 
mungsgründe zu untersuchen. Nur durch diese können noch weiter 
hinausliegende Faktoren eine Wirkung auf die Preise ausüben. Jede 
solche Untersuchung führt also zurück auf unsere Lösung des Preis- 
bildungsproblems: der Ursachenzusammenhang, der die Preise mit den 
unmittelbaren Bestimmungsgründen derselben verbindet und dessen 
Natur wir im vorhergehenden kennengelernt haben, bleibt immer die 
innerste und zentrale Erklärung des Preisbildungsprozesses. 
Faktoren, die in dieser Weise von außen auf die Preisbildung ein- 
wirken, sind z. B. Veränderungen der Bevölkerungszahl oder der Zu- 
sammensetzung der Bevölkerung mit Hinsicht auf Alter, Geschlecht, 
Zivilstand, Klassenangehörigkeit und Beruf, Umzüge innerhalb des be- 
treffenden Wirtschaftsgebiets, Veränderungen in der wirtschaftlichen 
Organisation, in den wirtschaftlichen Gewohnheiten des Volkes, z. B. 
in bezug auf Sparsamkeit, in der allgemeinen Auffassung der Forde- 
rung eines standesgemäßen Lebens oder einer „menschenwürdigen 
Existenz‘, Zerstörung von Gütern durch Krieg, Erschöpfung von Natur- 
reichtümern oder Entdeckungen neuer Fundstätten und Aufschließung 
neuer Gebiete, schließlich auch neue technische Erfahrungen, mit einem 
Worte alle jene Faktoren, die dem Wirtschaftsleben seine Beweglich- 
keit und Lebendigkeit geben. Insofern solche Bewegungen eine Wir- 
kung auf die Preisbildung haben, eventuell auch von dieser beeinflußt 
werden, haben wir es mit dynamischen Problemen der Preisbildung 
zu tun. Diese dynamischen Probleme haben natürlich einen wesent- 
lich weiteren Inhalt als das statische Problem der Preisbildung, bei 
dem die unmittelbaren Bestimmungsgründe der Preise als gegeben 
angenommen werden, und bei dem es nur gilt, die Art, in welcher 
diese die Preise und die Leitung der Produktion bei Gleichgewicht be- 
stimmen, zu erklären. Man würde aber irren, wenn man sich vorstellte, 
daß die Lösung des statischen Problems ohne Bedeutung für die dyna- 
mischen Probleme wäre. Im Gegenteil, alle Fragen der dynamischen 
Preisbildung verwandeln sich in erster Linie in Fragen nach der Ein- 
wirkung gewisser Bewegungen und Veränderungen auf die unmittel- 
baren Bestimmungsgründe der Preise und damit nach der Bestimmung 
der Preise durch diese Bestimmungsgründe im Einklang mit der im 
vorhergehenden beschriebenen Kausalverkettung. Freilich sind die 
Bedingungen unserer Lösung des Preisbildungsproblems oft nicht 
erfüllt, wenn wirtschaftliche Umwälzungen sich sehr heftig vollziehen. 
Denn dann kann eine Zeit vergehen, wo z. B. Güter, die zu den alten 
Kosten produziert sind, zu den neuen niedrigen Preisen verkauft werden 
müssen und wo also das Kostenprinzip unerfüllt bleibt. Sobald aber 
ein solches Übergangsstadium überwunden ist, wird sich die Preis- 
bildung wieder in jeder Wirtschaft, die den Forderungen auf Wirtschaft- 
lichkeit einigermaßen genügt, annäherungsweise nach dem Kosten- 
prinzip richten und folglich durch unsere Lösung des Preisbildungs- 
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