Full text: Theoretische Sozialökonomie

; Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
werden können. Solche Fälle, wo Veränderungen im Angebot der Pro- 
duktionsmittel ohne beträchtlichen Einfluß auf die Preisbildung bleiben, 
dürfen aber nicht die Tatsache verdecken, daß unsere mehr oder weniger 
reichliche. Versorgung mit Produktionsmitteln doch einen wesentlichen 
und meistens auch sehr aktiven Bestimmungsgrund der Preise bildet. 
Es zeigt sich also, daß die drei angegebenen Gruppen von Be- 
stimmungsgründen der Preisbildung, also die Nachfrage der Konsu- 
menten, die Technik der Produktion und das Angebot von Produktions- 
mitteln, sämtlich wesentliche Bedeutung für den Preisbildungsprozeß 
des wirklichen Wirtschaftslebens haben, daß also keine von ihnen bei 
der Aufstellung einer auch noch so elementaren und vereinfachten 
Theorie der Preisbildung ausgelassen werden kann. Wenn aber alle drei 
Gruppen von Bestimmungsgründen mit berücksichtigt werden müssen, 
ist die Theorie der Preisbildung wesentlich in unserer Lösung des 
Problems enthalten, und es kann neben dieser Lösung keine andere, 
die wirklichen Vorgänge einer Tauschwirtschaft schildernde und er- 
klärende Preisbildungstheorie geben. 
In unserer bisherigen Analyse des Preisbildungsprozesses haben 
wir die Mengen der zur Verfügung stehenden elementaren Produktions- 
mittel durchweg als gegeben, d. h. durch äußere Umstände bestimmt 
und folglich als von der Preisbildung unabhängige, objektive Faktoren 
angenommen. Diese Voraussetzung ist nur bei einem ersten Überblick 
über das vorliegende Problem zulässig. In Wirklichkeit ist sie jedenfalls 
nur approximativ und immer nur innerhalb gewisser Grenzen der Preis- 
variationen erfüllt. Die Preise der Produktionsmittel haben in der Tat 
einen Einfluß auf die Versorgung der Tauschwirtschaft mit denselben, 
der vielleicht unter normalen Verhältnissen latent sein kann, unter 
gewissen Voraussetzungen aber sehr aktiv wird. An diesem Punkt 
muß also die Analyse weitergeführt werden. 
Im Begriff der elementaren Produktionsmittel liegt, daß sie nicht 
produziert werden können, daß also eine Vermehrung derselben durch 
Produktion ausgeschlossen ist. Es gilt dann einerseits zu untersuchen, 
inwiefern die gewöhnlich als elementar angenommenen Produktions- 
mittel auch diese strenge Forderung wirklich erfüllen oder vielleicht 
z. T. durch eine Tätigkeit, die als Produktion aufgefaßt werden muß, 
vermehrt werden können. Anderseits ist natürlich eine Abhängigkeit 
des Angebots eines Produktionsmittels vom Preise desselben denkbar, 
auch wenn die Möglichkeit einer Produktion ausgeschlossen ist. Unsere 
Aufgabe wird dann sein, die Art dieser Abhängigkeit näher zu unter- 
suchen. 
Wenn wir die Voraussetzung, daß die Produktionsmittel in fest ge- 
gebenen Mengen zur Verfügung stehen, fallen lassen, tritt eine gewisse 
Veränderung in unserem Begriff der Knappheit ein. Die Knappheit eines 
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