Full text: Theoretische Sozialökonomie

Nachtrag zum ersten Buch. 
Es ist eine weit verbreitete populäre Auffassung, daß die Er- 
fahrungen des Weltkriegs alle bisherige nationalökonomische Theorie 
auf den Kopf gestellt haben, und daß überhaupt alles sich in dem Maße 
anders gestaltet hat, als jemand erwartet hatte, daß die ganze alte 
Volkswirtschaftslehre versagte, und daß, wenn von einer solchen Wissen- 
schaft länger die Rede sein soll, dieselbe vom Grunde aus neu geschaffen 
werden muß. 
So liegt die Sache nicht. Die ökonomische Theorie, die in dem 
Vorliegenden Werke vorgetragen wird, bleibt auch nach den Erfahrungen 
des Krieges richtig und eignet sich wohl als Grundlage für eine wissen- 
schaftliche Behandlung des neuen Tatsachenmaterials, das der Krieg 
mit sich geführt hat. Auch die wirtschaftspolitischen Maßnahmen 
der kriegführenden sowohl wie der neutralen Länder erhalten im Lichte 
dieser Theorie ihre richtige kritische Beleuchtung, und verhängnis- 
volle Fehler auf diesem Gebiete hätten bei besserer Einsicht in die all- 
gemeinen Prinzipien der Preisbildung sowie auch in die Theorie des 
Geldes vermieden werden können. 
Hier will ich zunächst die Erscheinungen der Kriegswirtschaft vom 
Gesichtspunkte der allgemeinen Preisbildungslehre unseres ersten 
Buches prüfen. Diese ist auf einer Auffassung der Tauschwirtschaft 
aufgebaut, die breit genug ist, um nicht nur die hergebrachte Gesell- 
schaftsordnung, sondern auch eine sozialistische Volkswirtschaft mit 
zu umfassen. Genügt dieser weite Begriff der Tauschwirtschaft zur 
Erklärung sämtlicher Erscheinungen der Kriegswirtschaft ? Nein. Die 
Kriegswirtschaft hat wirklich ein wesentliches neues Element auf- 
genommen, ein Element, das ganz außerhalb jeder Tauschwirtschaft 
fällt und deshalb von unserer Theorie der Preisbildung nicht berück- 
sichtigt werden konnte. Dieses Neue der Kriegswirtschaft ist die 
Rafzionierung. 
Nach unserer Begriffsbestimmung ist die Tauschwirtschaft dadurch 
charakterisiert, daß jede Einzelwirtschaft im Rahmen ihres Einkommens 
volle Freiheit der Konsumtionswahl besitzt. Diese Freiheit, die auch in 
einer sozialistischen Gesellschaftsordnung bestehen würde, wird durch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.