Full text: Theoretische Sozialökonomie

Nachtrag zum ersten Buch. 
je Ranzionierung beschränkt. Die Ranzionierung ist deshalb als ein 
wesentlich neues Element und wohl als das einzig wirklich Neue, wa 
die Kriegswirtschaft geschaffen hat, aufzufassen. Die Ranzionierung 
ist in ihrem Wesen ein kommunistisches Prinzip. Sie hat aber die 
auschwirtschaft_nicht verdrängt, sondern ist derselben als eine Er- 
gänzung hinzugefügt. 
In der Tauschwirtschaft werden die Ansprüche der Konsumenten 
urch die Preise in so engen Grenzen gehalten, daß sie mit den zur 
erfügung stehenden Mengen- der Nützlichkeiten befriedigt werden 
önnen. Diese notwendige Beschränkung der Konsumtion, die die 
reisbildung mit sanften, die individuellen Wünsche möglichst berück- 
sichtigenden Mitteln erreicht, wird durch die Ranzionierung in ungleich 
strengerer Weise durchgesetzt. Dabei wird aber die begrenzende Wir- 
ung der Preisbildung nicht aufgehoben. Denn für die ranzionierte 
are muß immer noch ein Preis bezahlt werden, und es ist also denk- 
bar, daß einige Konsumenten durch den Druck dieses Preises veranlaß 
erden, ihre Ansprüche noch weiter zu beschränken, als die Ranzionie- 
rung erfordern würde. Jedenfalls nimmt die Bezahlung der ranzionierte 
Ware eine gewisse Kaufkraft in Anspruch, vermindert dementsprechend 
je Kaufkraft für andere Nützlichkeiten, Die Preisbildung behält also 
bei der Ranzionierung ihre konsumtionsbeschränkende Funktion. 
Der Preis einer ranzionierten Ware kann offenbar niedriger sein 
als er ohne Ranzionierung sein müßte. Denn in entgegengesetztem 
alle würde der Preis allein ausreichen, um die nötige Begrenzung de 
onsumtion zu erzwingen, und die Ranzionierung wäre überflüssig. 
Soll die Ranzionierung mit allen ihren Beschwerden überhaupt gerecht- 
ertigt werden können, so muß sie sogar einen wesentlich niedrigere 
reis erlauben als sonst notwendig wäre. Eine Ranzionierung empfiehlt 
sich also besonders in den Fällen, wo ohne dieselbe die Preise sehr viel 
mehr gesteigert werden müßten, um die nötige Begrenzung der Kon- 
umtion herbeizuführen. Dies gilt vor allem für Waren primärer Not- 
endigkeit. Denn die Nachfrage nach solchen Waren ist, sehr_un- 
lastisch und kann bei verschärfter Knappheit nur durch eine unver- 
ältnismäßig große Preissteigerung hinreichend beschränkt werden 
ine solche Preissteigerung würde aber die Konsumenten sehr ungleich- 
äßig treffen: gewisse Schichten der Bevölkerung würden sich über- 
aupt keine Einschränkung aufzuerlegen brauchen, während andere ihre 
Konsumtion um so viel mehr einschränken müßten. Dazu kommt, daß 
sehr hohe Preise in vielen Fällen eine zu starke Belastung der Kaufkraft 
nd damit eine unverhältnismäßige Verminderung der. Konsumtions- 
ähigkeit für andere Nützlichkeiten herbeiführen würden. 
Brotgetreide ist _das_wichtigste Beispiel einer Ware, für welche 
aus diesen Gründen eine Ranzionierung bei stark gesteigerter Knapp- 
eit wünschenswert werden kann, Allerdings nicht in der Weise wie 
Cassel, Theoret._Sozialökonomie. 4. Aufl
	        
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