Nachtrag zum ersten Buch. 4
müssen einfach als willkürliche Versuche zur Veränderung des Preis-
ildungsprozesses behandelt werden. Diese Versuche rühren immer von
mangelnder Einsicht in die innere Notwendigkeit dieses Prozesses he
und müssen deshalb Ergebnisse herbeiführen, welche gar nicht vorge-
ehen waren. Solche Störungen lassen sich sehr gut im Rahmen der
gegebenen Theorie behandeln, und der Wert einer festen Theorie der
reisbildung ist eben während der Kriegszeit mit besonderer Deut
lichkeit darin hervorgetreten, daß die bedenklichen Folgen willkür
licher. Eingriffe vorausgesehen werden konnten. Praktisch ist dieser
Wert leider sehr geschmälert worden, da sich die Leiter der ökono-
mischen Politik nirgends um eine gesunde ökonomische Theorie vie
ekümmert haben.
Die Einsicht, welche vor allem fehlte, war die, daß die Preisbildun
eine sozialökonomische Aufgabe hat. Die preisregulierenden Maßnahmen
des Staates gingen meistens von einer sehr primitiven Auffassung de
Preise aus. Dies zeigte sich schon in den Fällen, wo die Preispoliti
es Staates mit Beschlagnahme einer Ware oder mit Monopolisierun
er Einfuhr und des Verkaufs derselben verbunden war. Dann mußte
der Staat natürlich selbst einen Preis setzen, berechnete aber diese
meistens auf Grund einer vollständig naiven Kostentheorie, welche
äufig sogar unter Vernachlässigung des Differentialprinzips nur allge-
meine Durchschnittskosten berücksichtigte. Dabei wurden selbstver-
ständlich die mit größeren Kosten arbeitenden Produzenten geschädig
und auch die Gesamtmenge der Produktion unnötigerweise beschränkt.
er prinzipiell wichtigste Fehler war aber der, daß diejenige sozial-
konomische Aufgabe der Preisbildung, welche in der Beschränkun
der Nachfrage liegt, vollständig außer acht gelassen wurde. Da der
Staat, ohne Rücksicht auf diese Aufgabe, seine Preise zu niedrig wählte
onnte die Nachfrage "natürlich nur dann befriedigt werden, wen
leichzeitig eine hinreichend strenge Ranzionierung stattfand. Es kam
auch häufig vor, daß der Staat, um sich ein einigermaßen genügende
Angebot zu sichern, einen verhältnismäßig hohen Einkaufspreis fest-
stellte, gleichzeitig aber dieselbe Ware den Konsumenten zu einem
niedrigeren Preis zur Verfügung stellte und selbst den Preisunterschied
deckte. Darin liegt offenbar ein Verstoß gegen das Kostenprinzip. Da
die Mittel für eine solche Preisermäßigung irgendwoher genommen
erden mußten, ist es sehr zweifelhaft, ob auf diesem Wege mehr als
scheinbare Vorteile erzielt worden sind. Tatsächlich sind wohl die Mitte
um größten Teil durch eine Konsumtion von Ersparungen zusammen-
ebracht worden. Die Schädigung der Kapitalbildung, die dadurch ver-
anlaßt wurde, hat nach dem Kriege sehr unangenehme Folgen bewirkt
von_welchen breite Schichten der Bevölkerung, nicht am wenigste
* Ra RT hart betroffen werden.
Ganz besonders unvernünftig ist aber die staatliche _Preispolitik
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