$ 19. Die Produktionsfaktoren und die Unternehmertätigkeit, 151
noch die Aufgabe, das Angebot anzuspornen. Diese Veränderung be-
deutet aber, wie schon gezeigt, keine prinzipielle Veränderung im
Mechanismus der Preisbildung. Unsere allgemeine Behandlung des
Preisbildungsproblems bleibt im wesentlichen dieselbe, die Preisbildung
der Produktionsfaktoren kann für alle verschiedenen Fälle in einem
gemeinsamen Rahmen nach einem und demselben Schema erklärt
werden. Das Prinzip der Knappheit behält bei dieser Behandlung
der Preisbildung der Produktionsfaktoren die grundlegende und allge-
meine Bedeutung, die ihm gebührt.
Wir weichen mit diesem Programm nicht unwesentlich von der
herrschenden Methode ab. Die klassische Ökonomie hat wohl in der
Darstellung Marshalls unter Aufnahme der wichtigsten modernen
Gedanken ihre höchste Vollendung erreicht, und es scheint deshalb
angemessen, die prinzipiellen Unterschiede der Marshallschen Be-
handlungsweise von der hier angewandten kurz anzugeben. Marshall
betrachtet?!), wie schon oben ($ 12) angedeutet, als Kosten im realen
Sinne nur die Anstrengungen und die Opfer („„efforts and sacrifices‘‘),
die für die Produktion erforderlich sind, demnach als Geldproduktions-
kosten nur die Preise, welche bezahlt werden müssen, um das erforder-
liche Angebot dieser Anstrengungen und Opfer hervorzurufen. Von
den Produktionsfaktoren stellen nur Arbeit und Kapital das Ergebnis
von Anstrengungen und Opfern dar. Nur diese Produktionsfaktoren
können also bei einer Berechnung der Produktionskosten berücksichtigt
werden. Der Preis der Bodenbenutzung ist schon durch die Definition
der Kosten von denselben ausgeschlossen. Mit diesem Ausgangspunkt
muß die Theorie der Preisbildung der Produktionsfaktoren notwendig
voraussetzen, einerseits, daß wirklich das Angebot von Arbeit und
Kapital von den Preisen, die für die entsprechenden Anstrengungen
und Opfer geboten werden, abhängt, mit diesen Preisen steigt, anderer-
seits, daß „an der Grenze der Produktion‘ ein Preis für die Boden-
benutzung nicht bezahlt zu werden braucht und daß demgemäß der
Preis des Produktes an dieser Grenze wirklich mit den „Kosten“ im
angegebenen Sinne, also den Arbeits- und Kapitalkosten, überein-
stimmt?). Hierdurch ist, wie man sieht, vom Anfang an ein ausge-
prägter Dualismus in der Behandlung der Theorie der Preisbildung
eingeführt.
Die Preisbildungstheorie, die auf diesen Grundgedanken aufgebaut
ist, soll nicht deswegen angegriffen werden, weil ihre Voraussetzungen
nicht mit genügender Treue die Wirklichkeit widerspiegeln. Eine
Theorie muß immer von gewissen vereinfachenden Voraussetzungen
mit nur approximativer Gültigkeit ausgehen. An eine Erklärung des
allgemeinen Mechanismus der Preisbildung müssen wir aber die For-
1) Principles V, 111, 2.
?) Hierüber näheres Kap. VII.