$ 19. Die Produktionsfaktoren und die Unternehmertätigkeit. 155
eines reinen Differentialgewinns, der nur als Folge der Verschiedenheit
der Kosten in den verschiedenen Betrieben entsteht. Indessen enthält
der so definierte Unternehmergewinn auch noch Elemente, die einen
annähernd bestimmten Preis haben und die deshalb auch in den Be-
rechnungen, auf die ein Unternehmen gegründet wird, regelmäßig mit in
Betracht gezogen werden, deren Preise folglichden Kosten gleichzustellen
sind und von den Produktenpreisen normal gedeckt werden müssen.
Dahin gehört vor allem die persönliche Arbeit des Unternehmers
in seiner Eigenschaft als Unternehmer, also seine Tätigkeit für Organi-
sation und Leitung des Unternehmens. Diese Arbeit kann zum Teil
von der bezahlten Arbeit Angestellter ersetzt werden. Der Leiter eines
Betriebes mittlerer Größe verrichtet eine Menge von Funktionen, die
er erst später, wenn das Geschäft zu einem Großbetrieb herangewachsen
ist, angestellten Abteilungschefs und dergleichen Personen überläßt.
Solche Arbeit ist offenbar zu den Kosten des Unternehmens zu rechnen.
Aber auch die oberste Leitung eines Unternehmens, und sei es noch
so groß, kann durch eine dafür bezahlte Person ausgeübt werden, wie
dies die gewöhnliche Organisation der Aktienunternehmung zeigt. Es
gibt in einem wirtschaftlich hochentwickelten Lande einen Preis für
jede solche Unternehmertätigkeit. Dieser Preis folgt den gewöhnlichen
Regeln der Preisbildung: die relative Knappheit der für die betreffenden
Leistungen befähigten Personen im Verhältnis zur Nachfrage nach ihnen
ist der wesentliche Bestimmungsgrund des Preises der Unternehmer-
arbeit. Die Bestimmungsgründe dieses Preises sind also prinzipiell
dieselben wie‘ diejenigen des Arbeitslohns, obwohl natürlich die Preis-
bildung für die Unternehmertätigkeit ihre besonderen Eigentümlich-
keiten aufzuweisen hat. Dieser Preis der Unternehmerarbeit muß in
die Kostenrechnung des Unternehmens eingestellt werden. So verfährt
jede Aktiengesellschaft, aber so muß auch jeder Privatunternehmer
vernünftigerweise verfahren: er muß einen gewissen Preis auf seine
eigene Unternehmertätigkeit setzen und diesen Preis in seine Kosten
einrechnen. Kann ein Unternehmer, der in seinem eigenen Geschäft
einen jährlichen Unternehmergewinn von 30000 Mark macht, als
Direktor einer Aktiengesellschaft 20000. Mark erhalten, so wird er den
eigentlichen Gewinn seines Unternehmens nur auf 10000 veranschlagen
können. Und ist der Nettobetrag des Unternehmens nur 15000 Mark,
so muß er sich klarmachen, daß er eigentlich mit Verlust arbeitet, da
doch seine Arbeitsleistung 20000 Mark wert ist!).
Ein zweites Element des Unternehmergewinns im oben ange-
gebenen weiteren Sinne des Wortes, das wesentlich den Kosten gleich-
ı) Die Unternehmertätigkeit kann natürlich, wenn man will, als ein besonderer
Produktionsfaktor neben der Arbeit im gewöhnlichen Sinne aufgefaßt werden. Für
eine solche Unterscheidung würde speziell die Eigenartigkeit der Bestimmungsgründe
des Lohns der Unternehmerarbeit sprechen.