Full text: Theoretische Sozialökonomie

a Kap. V.. Einleitung. 
in einem entwickelten und wohlorganisierten Großbetrieb eine Über- 
legenheit über kleine Konkurrenten, es verfügt über so gewaltige 
Kapitalien, daß es jede Konkurrenz totschlagen kann, es genießt ein 
rechtliches Monopol oder hat durch eine Trustbildung eine Monopol- 
stellung erworben usw. Die Vorzugsstellung kann auch auf persönlichen 
Faktoren beruhen, das Unternehmen kann nämlich Leiter, Angestellte 
und Arbeiter in seinem Dienst haben, die mehr und besseres leisten 
als ebenso hoch bezahlte Leiter, Angestellte und Arbeiter anderer 
konkurrierenden Unternehmen. Die ganze Organisation des Betriebes, 
die Gewohnheit und Übung des Personals in gemeinsamer Arbeit, 
das Interesse aller für das Gedeihen des Ganzen, das sind ebenfalls 
Faktoren, die dem Unternehmen eine entschiedene Vorzugsstellung 
verschaffen können. In manchen dieser Fälle ist die Vorzugsstellung 
die Frucht langjähriger Anstrengungen und der reine Unternehmer- 
gewinn, der jetzt erzielt wird, zum Teil das Ergebnis dieser einmal 
erworbenen Stellung. Diese Stellung kann aber im modernen, stark 
beweglichen Wirtschaftsleben, wo immer Kräfte darauf gerichtet sind, 
alte Vorzugsstellungen zu beseitigen und neue zu schaffen, sehr leicht 
verlorengehen, und ihre Aufrechterhaltung fordert deshalb meistens 
eine unaufhörliche Anstrengung, eine nie versagende Aufmerksamkeit, 
also Leistungen, die bezahlt werden müssen und deren Preise in die 
Kosten mit einzurechnen sind. 
In den Fällen, wo eine Vorzugsstellung — sei sie erworben oder 
durch äußere Umstände entstanden, also „unverdient‘“‘ — einen dauern- 
den reinen Unternehmergewinn gewährt, ist dieser als eine Art Rente 
der Vorzugsstellung aufzufassen, und die Vorzugsstellung selbst erhält 
einen Kapitalwert, der bei Verkauf des Unternehmens zutage tritt. 
Diese Verhältnisse können aber erst im: Zusammenhang mit den Unter- 
suchungen des folgenden Kapitels vollständig. verstanden werden. 
Die Frage, inwieweit der Unternehmergewinn in den Preis des 
Produktes eingeht oder nicht, ist jetzt leicht zu beantworten. Die 
Teile des Unternehmergewinns im weiteren Sinne, die wir als wirkliche 
Kosten erkannt haben, sind natürlich als normale Bestandteile des 
Preises des Produktes zu betrachten. Ob der reine Unternehmergewinn 
im Produktionspreis wiederzufinden ist, hängt von den Konkurrenzver- 
hältnissen ab. Ist das Unternehmen, welches einen reinen Unternehmer- 
gewinn macht, nicht imstande, den ganzen Markt zu versorgen, sondern 
müssen noch andere Unternehmer dafür in Anspruch genommen werden, 
so ist es möglich, daß das letzte noch erforderliche Unternehmen keinen 
reinen Unternehmergewinn macht, daß also der Preis nur die Kosten 
dieses Grenzunternehmens deckt. In diesem Falle ist der Preis in 
Übereinstimmung mit dem Differentialprinzip von den Grenzkosten 
bestimmt und der reine Unternehmergewinn, der den besser gestellten 
Unternehmen zukommt, hat vollständig den Charakter eines für den 
158
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.