Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 20. Das Zurechnungsproblem und das soziale Verteilungsproblem. 159 
Produktenpreis irrelevanten Differentialgewinns. Hat dagegen das be- 
treffende Unternehmen eine Monopolstellung und gelingt es ihm, diese 
zur Schaffung eines reinen Unternehmergewinns auszunutzen, so ist 
dies natürlich nur dadurch möglich, daß der Produktenpreis über die 
Kosten gehalten wird, und der reine Unternehmergewinn muß dann 
offenbar als ein Teil des Produktenpreises betrachtet werden. Die 
Frage, ob das Produkt durch das Monopol verteuert wird, ist hiermit 
nicht entschieden. Denn in manchen Fällen wird der Gewinn des 
Monopols nur mit Hilfe einer großen und guten Organisation erreicht, 
die die Kosten vermindern. 
Falls das Kostenprinzip in idealer Weise verwirklicht ist, wie wir 
es in unseren allgemeinen Untersuchungen über die Preisbildung vor- 
ausgesetzt haben, kommt kein Unternehmergewinn der letztgenannten 
Art vor. Die Preise werden dann in Übereinstimmung mit dem Kosten- 
prinzip nach unseren im ersten Buche aufgestellten Gleichgewichts- 
bedingungen bestimmt. 
$ 20. Das Zurechnungsproblem und das soziale 
Verteilungsproblem. 
Wenn zwei Personen bei der Herstellung irgendeines Produkts 
mitgewirkt haben, entsteht leicht die Frage, wieviel jede von ihnen 
dazu beigetragen hat, wie groß der Anteil der einen und der anderen 
an der Produktion gewesen ist. Das allgemeine Rechtsgefühl fordert 
hier unverkennbar einen objektiven Maßstab für die Teilung des Er- 
trags und ist geneigt, diesen in einem Kausalitätszusammenhang zwischen 
Leistung und Produkt zu erblicken. So entsteht das Zurechnungs- 
problem. Es ist also nicht etwa aus einer Neigung zu theoretischen 
Spekulationen hervorgegangen, sondern hat seine Quelle in tiefen Eigen- 
tümlichkeiten des menschlichen Geistes. Es gewinnt an Bedeutung in 
dem Maße, wie es sich von dem einfachen Falle einer Teilung unter 
einzelnen Individuen auf die große Verteilung der gesellschaftlichen 
Produktion erstreckt. Es erhält eine geradezu zentrale Stellung in einer 
Zeit ausgedehnter Arbeitsteilung und starker Klassendifferenzierung der 
Gesellschaft. 
Die Vorstellung, daß der Ertrag nach dem Prinzip der Kausalität, 
nach der Mitverursachung der einzelnen Faktoren verteilt werden 
könnte, ist sehr populär. Sie wird auch unterstützt durch Betrachtung 
der Fälle, wo die Leistungen, die zur Herstellung des Produktes mit- 
gewirkt haben, wesentlich gleichartig sind und sich also auf ein gemein- 
sames Maß zurückführen lassen. Denn dann ist eine rein arithmetische 
Verteilung nach Mitwirkung möglich. Sind aber die Leistungen, die die 
Herstellung eines Produkts erfordert, wesentlich verschiedener Art,
	        
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