Full text: Theoretische Sozialökonomie

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phänomen auf eine einzige Ursache zurückzuführen, und zwar auf 
eine subjektive Eigenschaft der wirtschaftenden Menschen, nämlich 
ihre Abgeneigtheit gegen das Warten, ihre „Ungeduld‘“, Fisher hat 
selbst in einer späteren Abhandlung für seine Theorie den Namen: 
„Theorie de l’impatience‘ vorgeschlagen!). Der Grad der Ungeduld 
ist natürlich bei verschiedenen wirtschaftenden Personen verschieden, 
ie individuellen „rates of preference‘‘ werden aber auf dem Markt zu 
einem einheitlichen Zinsfuß zusammengeschmolzen. Diese Form der 
arstellung ist offenbar der Behandlung der Spartätigkeit, also des 
Angebots von Kapitaldisposition, eventuell auch, wie wir später ($ 25) 
sehen werden, der Nachfrage nach Kapitaldisposition für Konsum- 
zwecke angepaßt. Der Versuch, die ganze Behandlung der Nachfrage 
nach Kapitaldisposition für Produktivzwecke in diese Form hinein- 
zuzwingen, muß aber notwendig zu einer sehr gekünstelten Darstellung 
führen. Solche Sätze wie der, daß „business loans are not so differen 
rom consumption loans‘, weil beide verwendet werden, „to tide ove 
ean times in anticipation of prosperity‘‘?) zeigen, mit wieviel Ge- 
walt die Wirklichkeit behandelt werden muß, wenn man sie um jede 
reis in den Rahmen einer unnatürlichen Theorie einpressen will. 
Selbstverständlich muß es auch große Schwierigkeiten bieten, ein 
so angelegte Zinstheorie in einer vollständigen und einheitliche 
heorie der Preisbildung, welche doch niemals eine einseitige sein kann 
sondern die Kräfte, die auf den Seiten des Angebots und der Nach- 
rage wirksam sind, als gleichgesteMte, symmetrische Faktoren der Preis- 
ildung anzuerkennen hat, organisch einzufügen. _Fishers Dar 
stellung ist in dieser Hinsicht ganz besonders schwach, wie es jede 
Theorie unvermeidlich sein muß, die sich nicht die grundlegende Auf 
assung der Preisbildung als eines einheitlichen, alle Preise — somit 
auch den Zinsfuß — gleichzeitig bestimmenden Prozesses anzu- 
ignen vermocht hat®). Ein Zeichen dieser Mängel der allgemeinen 
preistheoretischen Grundlegung ist die im ganzen mißlungene Dar- 
stellung, die Fisher vom Zusammenhang zwischen den Preisen der 
dauerhaften Güter und denjenigen ihrer Nutzungen gibt. Auf diese 
Frage werden wir im folgenden zurückkommen. Die Kritik Fish ers 
egen die Auffassung des Zinses als des Preises einer gewissen Leistung 
und als eines Elementes der Produktionskosten ist vollständig oberfläch- 
ich und stützt sich eigentlich nur auf die spezielle Bedeutung, welche er 
dem Begriff „Kosten“ beilegt. Faßt man, wie wir es getan haben, 
Kosten nur als Preise nötiger Produktionsmittel auf, so steht nichts im 
Vege für die Subsumierung des Zinses unter dem allgemeinen Begriff 
der Produktionskosten oder für die Aufrechterhaltung des einfache 
°) Rate of Interest, p. 241. 
°) Vgl. Amoroso: Giorn. d. Econom. Roma 1909 
assel, Theore ozialökonomie. 4. Aufl 
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