} Kap. VI. Der Kapitalzins.
Satzes; daß die Produktenpreise in der Gleichgewichtslage normal mit
den Produktionskosten übereinstimmen, ein Satz, den Fisher aus-
drücklich verwerfen muß.
‚Es ist sehr charakteristisch, daß es weder Böhm-Bawerk noch
Fisher gelungen ist, den einseitigen Subjektivismus ihrer Preis- und
besonders Zinslehre konsequent durchzuführen. Von den Anhängern
einer rein „psychologischen Zinstheorie‘‘ werden sie beide als ‚,Eklek-
tiker‘“ verurteilt, weil sie es nicht haben vermeiden können, Elemente
der „Produktivitätstheorie‘“ mit in ihrer Zinstheorie aufzunehmen‘).
Da eine Zinstheorie wie jede Preistheorie. in dem Sinne zweiseitig
sein muß, daß sie die Faktoren auf der Seite des Angebots und der
Nachfrage als ebenbürtige Bestimmungsgründe der Preisbildung behan-
delt, muß offenbar jede Theorie, die nicht von vornherein diese Wahr-
heit offen anerkennt, die versäumten Faktoren der Preisbildung später
in einer zufälligen, unorganischen und deshalb ‚„eklektischen‘ Weise
einführen oder bei einer vollständig willkürlichen, die Wirklichkeit
Schlecht wiedergebenden formellen Erklärung stehen bleiben.
$ 22. Die Kapitaldisposition als Produktionsfaktor.
Wenn wir sämtliche Produktionsmittel in gewisse Hauptkategorien
einteilen wollen, ist es unmittelbar klar, daß Arbeit und Boden als
solche gerechnet werden müssen, wenn auch die nähere Begriffs-
bestimmung dieser allgemeinen Typen einer besonderen Analyse bedarf.
Unter den übrigen Produktionsmitteln ziehen die produzierten mate-
riellen ‚Güter, die sich noch im Produktionsprozeß befinden ($ 5), in
erster Linie die Aufmerksamkeit auf sich, Wir nennen diese Güter
Realkapital. Kann nun dieses Realkapital den beiden genannten Haupt-
kategorien ebenbürtig an die Seite gestellt werden? Diese Frage steht
in einem nahen Zusammenhang mit der alten Streitfrage, ob das
„Kapital‘ als selbständiger Produktionsfaktor angesehen werden kann,
eine Frage, die, wie das so oft der Fall ist, hauptsächlich deshalb um-
stritten werden konnte, weil der Gegenstand des Streites nicht klar
war. Selbstverständlich. ist das Realkapital für die Produktion not-
wendig, und von diesem Gesichtspunkt als ein Produktionsmittel zu be-
trachten. Dieses Produktionsmittel läßt sich aber in andere, die bei
seiner Produktion mitgewirkt haben, auflösen. Wenn wir also nach den
elementaren Produktionsmitteln, die nicht selbst ein Resultat des
Produktionsprozesses sind, fragen, könnte es scheinen, als ob neben
der Natur kein anderer Produktionsfaktor als die Arbeit, darunter
1) Vgl. z. B. Fetter: Interest Theories, Old and New. Amer. Ec. RevieW,
Vol. IV, Nr. 1, März 1914.
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