$ 22. Die Kapitaldisposition als Produktionsfaktor 1:79
eventuell auch die Leistungen der Unternehmer mit einbegriffen, für
die Produktion erforderlich wäre. Dies ist tatsächlich auch eine oft
verteidigte Ansicht gewesen, die besonders im Sozialismus eine wichtige
Rolle spielt.
Um über diesen Punkt Klarheit zu gewinnen, haben wir nun die
tatsächlichen Bedingungen der Produktion näher ins Auge zu fassen
und dabei unsere Unterscheidung der Güter in dauerhafte Güter und
Verbrauchsgüter ($ 2) in Erinnerung zu bringen.
Wenn man ein dauerhaftes Gut produziert, tut man es um der
Dienste willen, die das Gut bei seiner Benutzung abgibt. Diese Dienste
bilden den unmittelbaren Gegenstand der Nachfrage. Das Gut selbst ist
nur ein Zwischenglied, welches zur Befriedigung dieser Nachfrage not-
endig ist, und kann insofern nicht als der Endpunkt des Produktions-
prozesses betrachtet werden. Vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt aus
muß der Produktionsprozeß als_ein zusammenhängender angesehen
verden, der von den verschiedenen produktiven Leistungen bis zur
schließlichen Bedürfnisbefriedigung führt. Die Herstellung eines Wohn-
hauses bezeichnet also nur eine erste Stufe in demjenigen Produktions-
prozeß, der die Befriedigung des Wohnbedürfnisses zur Aufgabe hat.
Abgeschlossen ist der Produktionsprozeß nicht, bevor er dieses Bedürf-
nis befriedigt hat, was erst durch die allmähliche Ausnutzung des
auses geschieht. Die zweite Stufe des Produktionsprozesses erfordert
Überwachung, Unterhaltung usw., also immer noch Einsätze von pro-
duktiver Tätigkeit, wenn auch in verhältnismäßig kleinem Umfang.
as Wesentliche ist aber, daß sie Zeit erfordert, im betreffenden Fall
ogar ungleich mehr Zeit als die erste Stufe. Nachdem das Haus fertig
> muß man notwendig eine längere Zeit warten, ehe man sämtliche
Früchte der Aufopferungen genießen kann. / /
A Dies ist ein vollständig allgemeines Verhältnis, das in der Natur
der Dinge liegt und in keiner Weise von der Form der Wirtschaft be-
dingt ist. Der Bauer, der noch in der Eigenwirtschaft steht, muß auch
nachdem er sich den Aufopferungen, die das Hausbauen erfordert,
unterworfen hat, lange Jahre auf die vollständige Vergütung derselben
durch Nutzungen des Hauses warten. In der Tauschwirtschaft kann
jeses unvermeidliche Warten auf die Früchte der Aufopferungen der
ersten Produktionsstufe von einem anderen übernommen werden. Das
arten wird dadurch als selbständige wirtschaftliche Funktion deutlich
erkennbar. Es ist natürlich denkbar, daß eine Gruppe von Arbeitern,
welche zusammen ein Haus gebaut haben, selbst auf den Lohn, der
in den künftig allmählich einfließenden Mieten besteht, warten. _ In
er Regel können sie es aber nicht, weil sie Mittel zur Deckung un-
bweislicher Lebensbedürfnisse brauchen, oder wollen es nicht, weil sie
lieber jetzt als in einer fernen und unsicheren Zukunft die Frucht
ihrer Arbeit genießen wollen. Dann tritt ein anderer ein, der.das Hau
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