Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 22. Die Kapitaldisposition als Produktionsfaktor. 187 
werden diese rein wirtschaftliche Dimension mit M bezeichnen, die 
Dimension der Zeit, die ebenfalls in der Wirtschaftslehre eine wichtige 
Rolle spielt, mit T. Der produktive Dienst, den wir als Kapitaldisposi- 
tion bezeichnen, hat dann die Dimensionen MT. Dies bedeutet, daß dieser 
Dienst durch das Produkt einer Geldsumme und einer Zeit gemessen 
wird. Die Einheit dieser zusammengesetzten Größe ist die Disposition 
der Geldeinheit während der Zeiteinheit, also z. B., wenn wir 100 Mark 
als Geldeinheit und ein Jahr als Zeiteinheit wählen, die Disposition 
von 100 Mark während eines Jahres. Da der Dienst der Kapitaldispo- 
sition nur durch das Produkt einer Geldsumme und einer Zeit ge- 
messen wird, ist er im Prinzip unabhängig von solchen Veränderungen 
der Geldsumme und der Zeit, die uns das Produkt unverändert lassen. 
So ist z. B. die Kapitaldisposition von 1000 Mark in 1 Monat gleich- 
wertig mit einer Kapitaldisposition von 500 Mark’ in 2 Monaten, wovon 
man sich leicht überzeugt, wenn man bedenkt, daß eine Person, die 
eine Kapitaldisposition von 1000 Mark in 2 Monaten besitzt, nach Be- 
lieben die eine oder die andere der genannten Kapitaldispositionen zwei- 
mal liefern kann. Daß jedoch in der Praxis ein gewisser Unterschied 
gemacht wird zwischen kurzer und langer Kapitaldisposition, werden 
wir im nächsten Paragraphen sehen. 
Nachdem nunmehr die Natur und die Bedeutung der Kapitaldispo- 
sition als eines notwendigen und elementaren Produktionsmittels klar- 
gelegt worden ist, kommen wir zu der Frage zurück, von welcher wir in 
diesem Paragraph ausgegangen sind, nämlich inwiefern das Realkapital 
als selbständiger Produktionsfaktor zu betrachten ist. Zur Beantwortung 
dieser Frage haben wir an unsere Ausführungen in 8 5 und 6 anzu- 
knüpfen. Die Anwendung des festen Realkapitals löst sich auf einer- 
seits in einen Verbrauch, der durch Unterhalt und Erneuerung, also 
durch Produktion, ersetzt werden muß, und der folglich eine Inan- 
spruchnahme weiter zurückliegender Produktionsmittel bedeutet, und 
andererseits in einer Kapitaldisposition für die Zeit der Anwendung, 
welche Kapitaldisposition als ein elementares Produktionsmittel zu 
betrachten ist. Die Anwendung des beweglichen Realkapitals ist 
ihrem Wesen nach ein Verbrauch, welcher durch Inanspruchnahme 
weiter zurückliegender Produktionsmittel ersetzt werden muß. Diese 
Anwendung erfordert als Komplement eine Kapitaldisposition für das 
Abwarten des Ersatzes für die gemachte Aufopferung. Es scheint also, 
als ob das Realkapital selbst überhaupt kein selbständiger Produktions- 
faktor sei. 
Wenn wir aber unsere Analyse der Tauschwirtschaft auf eine in der 
Gegenwart beginnende Periode beschränken, muß das am Anfang 
dieser Periode vorhandene Realkapital als ein gegebener, nicht weiter 
zu. analysierender Faktor unseres Problems aufgefaßt und also, da es 
für die Produktion erforderlich ist, den elementaren Produktionsmitteln 
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