Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 23. Der Zins als’ Preis, 1 
durch hinreichend beschränkt werden kann, daß auf die Kapitaldisposi- 
tion ein bestimmter Preis gesetzt wird. In den Gleichungssystemen 
(8 16), die den Zusammenhang der Preisbildungsprozesse arithmetisch 
repräsentieren, ist eins unserer R die Menge der in der betrachteten 
Periode zur Verfügung stehenden Kapitaldisposition und eins unserer 
q der Preis dieser Kapitaldisposition. Dieser Preis wird also in der- 
selben Weise wie sämtliche .q bestimmt. (Der Umstand, daß der Preis 
der Kapitaldisposition eine abstrakte Zahl ist, und also die Gelddimen- 
sion HA enthält, macht hierbei keine Schwierigkeit. Denn dieser 
Preis wird mit einer Kapitaldisposition multipliziert und das Produkt 
ist eine in Geld ausgedrückte Summe, die zu anderen Geldkosten addiert 
werden kann). 
Die spezielle Zinstheorie kann dann nichts anderes sein als eine 
nähere Untersuchung des Preisbildungsprozesses mit Rücksicht auf den 
Preis der Kapitaldisposition. Wir haben dabei Nachfrage und Angebot 
gesondert für sich zu betrachten. Hinsichtlich der Nachfrage haben wir 
zu untersuchen, teils welche äußeren Faktoren auf sie, und damit 
indirekt auf den Zins, einen Einfluß ausüben, teils auch wie der Preis 
der Kapitaldisposition, also der Zins selbst, auf die Nachfrage zurück- 
wirkt. In ähnlicher Weise haben wir beim Studium des Angebots 
zu verfahren. Die zur Verfügung stehenden Mengen der verschiedenen 
Produktionsfaktoren wurden bei unserer allgemeinen Behandlung des 
Preisbildungsproblems als gegeben angenommen. In diesem Buche 
werden wir aber, wie schon bemerkt, diese Voraussetzung fallen lassen 
und auch untersuchen, ob und wie weit das Angebot der Produktions- 
faktoren von ihren Preisen beeinflußt wird. Dies soll zunächst in diesem 
Kapitel mit Bezug auf das Angebot von Kapitaldisposition geschehen, 
also das Angebot von Kapitaldisposition soll als Funktion des Zinsfußes 
studiert werden. 
Ein solches Studium der Nachfrage und des Angebots von Kapital- 
disposition wird uns zeigen, weshalb eine Knappheit an Kapitaldisposi- 
tion besteht und wie weit eine solche Knappheit als notwendig be- 
trachtet werden kann, also die Frage beantworten, ob der Zins etwa 
nur eine zufällige Erscheinung unserer Zeit und unserer Wirtschafts- 
ordnung ist oder vielmehr eine in objektiven Verhältnissen begründete 
Erscheinung, die für jede Zukunft und jede Organisation der Tausch- 
wirtschaft ihre unbedingte Notwendigkeit behält. Erst mit der Beant- 
wortung dieser bisher viel umstrittenen Fragen wird die Zinstheorie 
ihre Aufgabe vollständig erledigt haben. Zu diesem Zweck werden wir 
zu untersuchen haben, welche entgegenwirkenden Kräfte auf der Seite 
der Nachfrage und der des Angebots ein starkes Sinken des Zinsfußes 
hervorrufen würde, Wir werden finden, daß diese Kräfte schon ziem- 
lich bald dem Sinken des Zinsfußes eine Grenze setzen würden. Ferner 
werden wir zu prüfen haben, inwieweit in einer sozialistischen Gesell- 
19‘
	        
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