Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. VI. Der Kapitalzins. 
: Dieser ganze Zusammenhang tritt am klarsten hervor, wenn man, 
wie wir im vorhergehenden getan haben, die Nutzungen als die schließ- 
lichen Produkte auffaßt, also das Abwarten der Nutzungen mit in den 
Produktionsprozeß im weiteren Sinne einschließt. Die nötige Kapital- 
disposition erscheint dann als ein Produktionsfaktor, und wir haben 
nur einen einzigen einheitlichen Preisbildungsprozeß zu betrachten, der 
den Preis der Kapitaldisposition in derselben Weise wie alle anderen 
Produktionsmittelpreise bestimmt und der auch die Preise der repro- 
duzierbaren dauerhaften Güter und die Preise der. Nutzungen derselben 
mit umfaßt. Bei dieser Betrachtungsweise erscheinen die Kosten der 
Kapitaldisposition als mit den übrigen Produktionskosten gleichge- 
stellt, die Nutzungen bekommen bestimmte Produktionskosten und es 
wird der übliche Zusammenhang des Preisbildungsprozesses, welcher 
die Nachfrage nach den fertigen Gütern mit den zur Verfügung stehen- 
den Mengen der einzelnen elementaren Produktionsfaktoren verbindet, 
wieder hergestellt. 
- Im engeren Sinne nennen wir Rente den Preis der Nutzung 
eines nicht reproduzierbaren dauerhaften Gutes, Dieser Preis, der, 
wie schon gezeigt, direkt von der relativen Knappheit der Nutzungen 
dieser Art bestimmt wird und also eine vom Zins völlig unabhängige 
Stellung im Preisbildungsprozeß hat, muß der Gegenstand einer Spe- 
ziellen Untersuchung werden, welcher wir ein besonderes Kapitel 
widmen wollen. 
Mit den „nicht reproduzierbaren“ sind. in den Ausführungen dieses 
Paragraphen diejenigen Güter gleichzustellen, die wohl technisch pro- 
düziert werden können, deren Produktion aber wegen mangelnder Nach- 
frage und zu hohen Produktionskosten unterbleiben muß. 
In bezug auf die Stellung des Zinses in der Preisbildung der Verbrauchsgüter 
ist folgendes zu bemerken. 
; Die Bedingung dafür, daß ein Produktionsprozeß fortgesetzt werden kann, ist, 
daß das Produkt auf jeder Stufe einen Preis hat, der dic bis dahin aufgelaufenen Pro- 
duktionskosten deckt. Unter diese Produktionskosten ist auch der Zins zu rechnen, 
der für die zur Fortsetzung der Produktion nötige Kapitaldisposition bezahlt werden 
muß, also die Verzinsung des Kapitals, das vom Produkte selbst auf seinen ver- 
schiedenen Vollendungsstufen dargestellt wird. Wenn also der normale Produktions- 
prozeß eine Periode des Wartens enthält und enthalten muß, während welcher wohl 
andere Produktionsfaktoren in geringerem Umfange in Anspruch genommen werden, 
die Disposition des dem Produkte entsprechenden Kapitals jedoch die Hauptkosten 
bildet, ist die Bedingung einer solchen Produktion, daß der Preis des Produkt>s am 
Ende dieser Periode außer den Nebenkosten den Preis am Anfang der Periode ein- 
schließlich der aufgelaufenen Zinsen deckt. Dies gilt z. B. in bezug auf die Holz- 
produktion in einer geordneten Forstwirtschaft. Soll ein Wald, der jetzt abgetrieben 
werden kann, noch zehn ‚Jahre stehen bleiben, muß die Preissteigerung nach zehn 
Jahren so groß sein, daß sie, außer den laufenden Kosten der Forstwirtschaft und 
der Rente des Bodens, die inzwischen aufgelaufenen Zinsen des vom Walde repräsen- 
tierten Anfangskapitals deckt. Wenn wir der Einfachheit halber von den übrigen 
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