Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. VI. Der Kapitalzins. 
Maschinen selbst wie auch ihre jährliche Nutzung wahrscheinlich in 
annähernd gleichem Verhältnis verteuert. Die allgemeine Erhöhung 
der Arbeitslöhne wird also an und für sich bei unverändertem Zinsfuß 
keine Verdrängung der Handarbeit in der Landwirtschaft veranlassen. 
Bei der Diskussion solcher Fragen muß man sich aber immer erinnern, 
daß sie unter der Voraussetzung eines unveränderten Geldwertes be- 
handelt werden müssen, wodurch der gedachten allgemeinen Preis- 
steigerung eine wichtige Beschränkung gesetzt wird (vgl. $ 36). 
Bisher haben wir nur den Bedarf an Kapitaldisposition zur Aus- 
nutzung dauerhafter Güter in Betracht gezogen. Kapitaldisposition 
ist aber, wie wir wissen, auch aus dem Grunde erforderlich, weil die 
Produktion im engeren Sinne des Wortes Zeit beansprucht. Das hierfür 
in Anspruch genommene Kapital entspricht dem beweglichen Real- 
kapital der Wirtschaft. In bezug auf die dauerhaften Güter rechnen wir 
in diesem Zusammenhang die Produktion nur bis an die Fertigstellung 
des dauerhaften Gutes, schließen also seine Ausnutzung nicht mit in 
die Produktion ein. Die Menge der für die Produktion erforderlichen 
Kapitaldisposition ist dann wesentlich von der zeitlichen Ausdehnung 
des Produktionsprozesses abhängig. 
Die so bestimmte Nachfrage nach Kapitaldisposition tritt natürlich 
zu der vorhin behandelten Nachfrage nach Kapitaldisposition zur Aus- 
nutzung dauerhafter Güter noch hinzu, ist aber wesentlich kleiner 
als diese. Die Gesamtnachfrage nach Kapitaldisposition ist damit be- 
stimmt. 
Durch welche Faktoren wird nun die Nachfrage nach Kapital- 
disposition für die Produktion im engeren Sinne bestimmt? Welche 
sind die Tendenzen, die sich in bezug auf diese Nachfrage geltend 
machen? In dieser Hinsicht soll zunächst bemerkt werden, daß der Zins- 
fuß selbst wahrscheinlich in den meisten Fällen eine sehr untergeordnete 
Bedeutung für die Bestimmung der Dauer eines Produktionsprozesses 
hat. Daß ein Niedergang des Zinsfußes eine Verlängerung des Pro- 
duktionsprozesses veranlassen würde, ist jedenfalls nur in reinen Aus- 
nahmefällen anzunehmen. 
Ganz unabhängig von der jeweiligen Höhe des Zinsfußes zeigt aber 
die moderne Wirtschaft eine ganz bestimmte Tendenz den Produktions- 
prozeß, soweit möglich, zu verkürzen, In diesem Streben spielt natür- 
lich der Wunsch, Zinsen des beweglichen Realkapitals zu ersparen, eine 
Rolle, ist aber nicht das einzige, wahrscheinlich auch nicht das wichtigste 
Motiv. Von wirklicher Bedeutung ist dieser Gesichtspunkt in der 
Bautätigkeit, wo besonders viel Kapital bis zur Fertigstellung des 
Baues gebunden ist. Die private Bautätigkeit sucht aus diesem Grunde 
die Bauzeit nach Möglichkeit zu begrenzen. In der öffentlichen Bau- 
tätigkeit hat man sich leider nicht immer mit der Tatsache vertraut ge- 
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