8 25. Das Angebot von Kapitaldisposition. 215
nehmens, eine Fürsorge, die ein Zurücklegen sehr bedeutender Teile
des Ertrags zugunsten des Betriebs veranlaßt. Solche Rücklagen haben
in erster Linie den Zweck, Reserven für unvorhergesehene Fälle zu
bilden, dienen aber auch in großem Umfang der Förderung und wirtschaftlichen
Stärkung des Betriebs. In beiden Fällen werden sie meistens
unmittelbar als Kapital für das betreffende Unternehmen in Anspruch
genommen, obwohl auch zuweilen der Sicherheit wegen Reserven in
Effekten oder Bankguthaben gehalten werden. Eine Kapitalbildung
solcher Art ist unter modernen Verhältnissen einfach eine wirtschaftliche
Notwendigkeit. Im Konkurrenzkampf der Unternehmer muß
der unterliegen, der nicht an der immer größeres Kapital fordernden
Fortschrittsbewegung teilnehmen kann. Zur Erweiterung des Kapitals
muß aber oft in erster Linie der Ertrag des Betriebs verwendet werden,
erst in dem Maße, wie dies gelingt, wird sich ein weiteres Heranziehen
fremden Kapitals möglich zeigen. Daß zufällige Gewinne oder die
Extraerträge besonders günstiger Jahre nicht konsumiert werden,
sondern dem Unternehmen vorbehalten bleiben, ist bei gesunder Geschäftsführung
selbstverständlich. Am besten können wir diese Gewohnheiten
in gut geleiteten Aktiengesellschaften beobachten. Da ist
es auch gebräuchlich, Dividendenausgleichungsfonds zu bilden, die
natürlich, solange sie der Gesellschaft gehören, das Unternehmen
stärken.
Diese Kapitalbildung der produktiven Betriebe spielt für die Kapitalversorgung
der modernen Gesellschaft eine sehr große Rolle. Sie ist
natürlich nicht in derselben Weise begrenzt wie die vorhin berührte
private Kapitalbildung. Da sie aber eben von den Bedürfnissen der
Produktion veranlaßt und auch unmittelbar von der Produktion in Anspruch
genommen wird, ist nicht zu befürchten, daß sie in dem Sinne zu
weit getrieben werden könnte, daß die durch sie geschaffene Kapitaldisposition
keine Anwendung finden würde,
Es gibt nun schließlich auch eine Kapitalbildung, für welche man
irgendein Streben für die Zukunft zu sorgen kaum als Motiv anführen
kann. Von den großen Kapitalisten, die schon alle nur einigermaßen
wichtigen Bedürfnisse befriedigen und ein Kapital besitzen, dessen Ertrag
ihnen und ihrer Familie eine gleiche Bedürfnisbefriedigung für alle
Zeiten sichert, und die dennoch fortdauernd große Rücklagen zur Vermehrung
ihres Vermögens machen, kann man doch nicht sagen, daß sie
aus Fürsorge für die Zukunft sparen. Die Kapitalbildung muß in diesen
Fällen andere Beweggründe haben. Das wirtschaftliche Interesse
des Kapitalisten ist einmal auf Vergrößerung seines Vermögens eingestellt,
und dieser Zweck wird allmählich zum Selbstzweck. Die Motive,
die dabei mitwirken, sind sehr wechselnd: der sinnlose Geiz, der allmählich
seine einzige Freude in der Betrachtung des immerfort wachsenden
Vermögens findet und der wohl am nächsten als eine abnorme
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