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dagegen der Zinsfuß auf 2% oder gar darunter fallen, so würde sich
das Angebot von Kapitaldisposition sehr stark vermindern.
Dieses Angebot ist, wie wir gesehen haben, gleich dem Unterschied
zwischen Sparen und Überkonsumtion. Bei jedem denkbaren Zinsfuß
würden sich diese beiden entgegengesetzten Wirtschaftsrichtungen
geltend machen: kein Zinsfuß ist so hoch, daß er eine Überkonsumtion,
also einen Verbrauch von Kapital oder von künftigem Einkommen
vollständig verhindern würde. Es gibt immer Fälle, wo mehrere hundert
Prozent gern bezahlt werden, wenn eine gegenwärtige Bedürfnis-
befriedigung nicht unter günstigeren Bedingungen durch Aufopferung
einer künftigen gekauft werden kann. Anderseits ist kein Zinsfuß niedrig
genug, um jedes weitere Sparen zu verhindern. Auch wenn auf keine
Verzinsung zu rechnen wäre, würden Massen von Leuten Einkommens-
teile für künftige Bedürfnisse zurücklegen und Kapitalisten nicht ihr
gesamtes Kapital augenblicklich konsumieren.
Gegenwart und Zukunft haben also für verschiedene Wirtschaften
sehr verschiedene Bedeutung. Es ist nicht möglich, die in dieser Be-
ziehung unendlich wechselnden Verhältnisse durch eine einfache Formel,
etwa als eine allgemeine Unterschätzung künftiger Bedürfnisse oder
künftiger Güter im Verhältnis zu gegenwärtigen zu beschreiben. Das
jeweilige Angebot von Kapitaldisposition ist durch die Handlungsweise
der verschiedenen Wirtschaften beim gegebenen Zinsfuß bestimmt, geht
als Resultante aus der großen Mannigfaltigkeit von einander teilweise
entgegenwirkenden Kräften hervor. Diese Resultante kann aber nicht
im allgemeinen angegeben werden, sondern bezieht sich wesentlich auf
einen bestimmten Zinsfuß und verändert sich mit dem Zinsfuß. Wenn
also das Angebot von Kapitaldisposition eine Funktion des Zinsfußes
ist, kann die Bedeutung dieses Angebots für den Zinsfuß offenbar nur
in der Art, in welcher das Angebot gegen Veränderungen des Zinsfußes
reagiert, liegen, also auch nur durch die Form derjenigen Funktion, die
die Abhängigkeit des Angebots vom Zinsfuß darstellt, angegeben werden.
Die Zinstheorie erfordert eine Kenntnis der allgemeinen Form dieser
Funktion und kann sich gar nicht mit einer unbestimmten Versiche-
rung, daß die Resultante der vielen verschiedenen Schätzungen der
Zukunftsgüter in Gegenwartsgütern eine Unterschätzung der Zu-
kunftsgüter ist, begnügen.
8 26. Die Bestimmung des Zinsfußes.
Sobald wir den Zins als den Preis der Kapitaldisposition auffassen
ist die Stellung des Zinses im allgemeinen Preisbildungsprozeß unmittel-
bar klar: der Zins hat wie jeder andere Preis die sozialökonomische
Funktion, die Nachfrage so weit zu beschränken, eventuell auch das
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