8 28. Die Entwicklung der Rententheorie. 237
theoretische Ökonomie hat demgemäß auch dieser Einkommensart
stets besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Den Physiokraten, die die Fruchtbarkeit der Natur als einzig mög-
lichen Grund des Überschusses der Produktion über die für dieselbe not-
wendigen Kosten betrachteten, schloß sich Ad. Smith am nächsten
an, indem er erklärte, daß in der Landwirtschaft die Natur zusammen mit
den Menschen arbeitet und den landwirtschaftlichen Arbeitern es er-
möglicht, nicht nur gleich den Manufakturarbeitern einen ihrer eigenen
Konsumtion und dem Kapital mit seinem Profit entsprechenden Wert,
sondern darüber hinaus eine Rente für den Grundherrn zu produzieren.
Diese Rente kann nach Smith als das Produkt derjenigen Naturkräfte,
deren Benutzung der Grundherr dem Pächter zur Verfügung stellt, an-
gesehen werden und wächst mit dem Umfang dieser Kräfte, d. h. mit
der natürlich oder künstlich gewonnenen Fruchtbarkeit des Bodens.
In der Manufaktur tut die Natur nichts, der Mensch alles, und das Pro-
dukt ist demgemäß beschränkt. In der Landwirtschaft dagegen schafft
die Mitwirkung der Natur einen Überschuß, nachdem alles, was als
das Werk des Menschen betrachtet werden kann, vergütet worden ist.
Deshalb ist auch die Anwendung des Kapitals in der Landwirtschaft für
die Gesellschaft bei weitem die vorteilhafteste?).
Diese Auffassung wurde von den späteren Vertretern der klassi-
schen Nationalökonomie bekämpft. In England begann die beschränkte
Möglichkeit der heimischen Landwirtschaft, den Bedarf der Bevölkerung
an landwirtschaftlichen Produkten zu befriedigen, mehr und mehr zu-
tage zu treten. Es war daher nur natürlich, daß die Aufmerksamkeit
auf die Beschränktheit des Bodens als Grund der Bodenrente gelenkt
wurde, und auf diese Auffassung ist dann auch die klassische Renten-
theorie aufgebaut. Ihre schärfste logische Vollendung hat dieselbe durch
Ricardo erhalten, und um die Ricardosche Grundrententheorie
als Zentrum dreht sich die ganze spätere Diskussion über das Renten-
problem.
Ricardo definierte die Rente als den Teil des Produkts des
Bodens, welcher an den Grundeigentümer für die Benutzung der ur-
sprünglichen und unzerstörbaren Kräfte des Bodens bezahlt wird?®).
Damit will er den Teil einer Pachtsumme, der für die Benutzung eines
Realkapitals gezahlt wird, von der eigentlichen Bodenrente abscheiden.
Wenn Boden in Überfluß vorhanden ist, wird für die Benutzung des-
selben nichts bezahlt. Nur wenn bei steigender Bevölkerung der beste
Boden nicht länger hinreicht und also Boden von niedrigerer Fruchtbar-
keit oder weniger vorteilhafter Lage, mit einem Worte Boden niedrigerer
Qualität, in Anspruch genommen werden muß, wird für die Benutzung
des Bodens erster Qualität eine Rente bezahlt, die vom Unterschied der
ı) Wealth of Nations, Book II, Ch. V.
?) Ricardo: Works, Ed. Mc Culloch p. 34.
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