8 29. Die Natur der Rente. :9
lich je größer die relative Bedeutung der Unterhaltungs- und Erneue-
rungskosten ist, außerdem natürlich auch je stabiler die Technik und
deshalb die Produktionskosten sind. Betrachten wir z. B. die Gebäude,
die der landwirtschaftlichen Produktion dienen, so werden wir alle diese
Momente ziemlich stark hervortretend finden. Die neue Kapitalinvestie-
rung in solchen Gebäuden findet, wenn wir eine größere Tauschwirt-
schaft betrachten, kontinuierlich statt, und der Nettoertrag, der aus
diesem Realkapital gewonnen wird, hat deshalb wesentlich den Charakter
eines Zinses. Wird der Zins des nötigen Kapitals nicht gedeckt, muß
der Vorrat sehr bald vermindert werden oder wenigstens hinter einem
steigenden Bedarf zurückbleiben. Die Zeit, die die Produktion selbst
erfordert, spielt hier eine sehr untergeordnete Rolle, da Gebäude der
betreffenden Art meistens in einigen wenigen Monaten, ja sogar
Wochen hergestellt werden können. Das Angebot kann also einer
steigenden Nachfrage so rasch folgen, daß eine Rente, von welcher man
doch eine gewisse Dauerhaftigkeit fordert, sich kaum ausbilden kann.
Etwas mehr vom Charakter einer reinen Rente hat der Ertrag aus
Bodenverbesserungen, wie z. B. Drainierung, wo die Dauer groß ist und
also Erneuerungs- und Unterhaltungsarbeiten weniger oft vorkommen.
Gewisse Verbesserungen erfordern wohl auch zuweilen für ihre Durch-
führung eine so lange Zeit, daß das Angebot vorübergehend hinter der
Nachfrage zurückbleiben und also ein gewissermaßen rentenartiges Ein-
kommen entstehen kann.
Man findet aber, daß der Umstand, daß die Produktion Zeit be-
ansprucht, im allgemeinen für die Rentenbildung von untergeordneter
Bedeutung ist. Auch wo er zufälligerweise zur Schaffung eines renten-
artigen Einkommens beiträgt, ist dieses meistens von zu kurzer Dauer,
um als Rente gelten zu können. Die Produktion von festem Realkapital
erfordert eben unter modernen Verhältnissen meistens nur eine kurze
Zeit. Die wichtigsten Ausnahmen bilden Eisenbahnen, Wasserwerke
und ähnliche Anlagen, aber auch für diese ist die Produktionszeit meistens
nicht so lang, daß sie eine mehr als ganz vorübergehende Renten-
bildung für schon bestehende Anlagen gleicher Art erlaubt. Die anderen
oben angegebenen Momente sind meistens für den Rentencharakter
des Ertrags des festen Realkapitals ausschlaggebend DM Pant Ha
1) Die ganz überwiegende Bedeutung, die Marshall der Unterscheidung zwi-
schen kurzen und langen Perioden für die Bildung von rentenartigen Einkommen
zuschreibt, scheint unter solchen Verhältnissen kaum gerechtfertigt. Daß eine Auf-
teilung des Realkapitals, je nachdem das Angebot desselben sich in einer Periode
„mittlerer Länge‘“ der Nachfrage anzupassen vermag oder nicht, der tiefsten und
wichtigsten Scheidelinie der ökonomischen Theorie entsprechen soll, ja daß der
Umstand, daß das englische System von Landpacht angeblich nach dieser Linie
die Verpflichtungen des Grundherrn und des Pächters verteilt, die Erklärung zur
Überlegenheit der britischen ökonomischen Theorie ist, muß wohl doch als eine
leichte Übertreibung aufgefaßt werden. (Vgl. Principles, Book VI, Ch. IX, 8 5.)
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