Full text: Theoretische Sozialökonomie

250 Kap. VII. Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien. 
8:30. Die Preisbildung der Bodennutzuneg. 
Die Bodennutzung nimmt im Preisbildungsprozeß prinzipiell die- 
selbe Stellung ein wie die anderen Produktionsfaktoren. Die allgemeine 
Aufgabe der Preisbildung, die Nachfrage nach den fertigen Produkten 
durch Berechnung von einheitlichen Preisen für die Produktionsfaktoren 
gleichförmig zu beschränken, die indirekte Nachfrage nach den Produk- 
tionsfaktoren in Übereinstimmung mit den von ihnen zur Verfügung 
stehenden Mengen zu bringen und somit eine wirtschaftliche Leitung 
des ganzen Produktionsprozesses herbeizuführen, hat für die Boden- 
nutzung dieselbe Bedeutung wie für die Kapitaldisposition und, wie wir 
sehen werden, auch für die Arbeit. In bezug auf die Wirkung der Preis- 
bildung auf das Angebot besteht wohl für die Bodennutzung- die Eigen- 
tümlichkeit, daß der in der Natur gegebene Boden in gewissem Sinne 
ein für allemal fixiert und also von der Preisbildung unabhängig ist. 
Für den Preisbildungsprozeß fällt aber mehr ins Gewicht, daß eine Er- 
höhung des Preises der Bodennutzung eine weitere Inanspruchnahme 
des in der Natur gegebenen Bodens, zum Teil mit Hilfe einer Tätigkeit, 
die als Produktion von „Boden‘‘ in Konkurrenz mit dem von der Natur 
dargebotenen beschrieben werden kann, ermöglicht und dadurch eine 
Gegenwirkung erweckt, die für den Preisbildungsprozeß dieselbe Be- 
deutung hat wie eine durch Steigerung des Preises irgendwelchen 
Produktionsfaktors herbeigeführte Steigerung des Angebots desselben. 
Die prinzipielle Lösung des Problems der Preisbildung der Boden- 
nutzung ist folglich auch schon in unserer allgemeinen Lösung des 
Preisbildungsproblems mit enthalten. Was uns hier noch übrig bleibt, 
ist also nur das nähere Studium der speziellen Vorgänge bei der Preis- 
bildung der Bodennutzung, also bei der Bildung der Bodenrente. 
Wir betrachten dabei nur den landwirtschaftlich benutzten Boden 
und machen zunächst die sehr vereinfachende Voraussetzung, daß nur 
ein einziges Produkt, sagen wir Weizen, erzeugt wird. Untersuchen 
wir dann erstens den Fall, wo der Boden in begrenzter Menge von 
gleicher Fruchtbarkeit und gleich vorteilhafter Lage, also ‚gleicher 
Qualität‘, vorhanden ist und wo die Produktionsmethode in dem 
Sinne fest und unveränderlich ist, daß auf einer gegebenen Fläche 
eine feste Menge Kapital und Arbeit verwendet wird. Diese Abstrak- 
tionen sind nützlich, weil sie geeignet sind, die Bedeutung der Knapp- 
heit des Bodens klar hervorzuheben. Wenn nun die Nachfrage so 
gering ist, daß sie bei einem Weizenpreis, der nur den Kapital- und 
Arbeitskosten des Weizenbaus entspricht, befriedigt werden kann, dann 
ist auch kein Preis für die Bodennutzung nötig. In der Tauschwirt- 
schaft wird unter solchen Umständen keine Bodenrente existieren. Steigt 
nun die Nachfrage, so wird, nachdem der gesamte Boden in Anspruch
	        
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