fullscreen: Theoretische Sozialökonomie

$ 30. Die Preisbildung der Bodennutzung. 555 
ersten Falle steht der Betrieb im Zeichen des zunehmenden, im zweiten 
im Zeichen des abnehmenden Ertrags. Dies gilt aber ebensowohl, wenn 
wir uns den Aufwand von Kapital und Arbeit als fest und die in An- 
spruch genommene Bodenfläche als variabel denken. Bei einer ge- 
wissen Bodenfläche wird die billigste Produktion erreicht. Jede weitere 
Ausdehnung der Bodenfläche, aber auch jede Verminderung derselben, 
wird dann der Ertrag pro Kosteneinheit vermindern. Die vollständige 
Relativität des Begriffs des „abnehmenden, bzw. zunehmenden Ertrags“ 
wird hierdurch ins richtige Licht gestellt. Das beschriebene Verhältnis 
ist auch nichts für die Landwirtschaft Eigentümliches, Allgemein muß 
in jeder Produktion der Ertrag pro Kosteneinheit sinken, sobald die 
Zusammenstellung der Mengen der substituierbaren Produktionsmittel 
von derjenigen Zusammenstellung abweicht, die vom Substitutionsprinzip 
erfordert wird und die den Maximalertrag pro Kosteneinheit liefert. 
In welchem Verhältnis Boden und übrige Produktionsfaktoren mit- 
einander vereinigt werden sollen, hängt nach dem Substitutionsprinzip 
immer von den relativen Preisen der Bodennutzung und der übrigen Pro- 
duktionsfaktoren ab, und zwar muß jeder Produktionsfaktor, dessen 
Preis steigt, von den anderen zurückgedrängt werden. Wenn in einem 
Lande der Arbeitslohn steigt, während die Bodenrente unverändert 
bleibt, findet man auch, daß die Landwirte die Arbeiterzahl im Verhältnis 
zur Kultivierten Bodenfläche vermindern. Eine Erhöhung der Boden- 
rente bei unveränderten Preisen der übrigen Produktionsfaktoren muß 
wiederum den vom Substitutionsprinzip erforderten Aufwand von 
Kapital und Arbeit pro Einheit der Bodenfläche steigern, es muß auf 
dem teureren Boden eine „intensivere“ Landwirtschaft getrieben werden. 
Dieser Satz hat bekanntlich für die ganze Gestaltung der Landwirtschaft 
in den verschiedenen Ländern der Erde eine durchgreifende Bedeu- 
tung. Eine weiter getriebene Substitution von Kapital und Arbeit 
für Bodennutzung bedeutet aber eine relative Verminderung der Nach- 
frage nach Boden. In dieser Abschwächung der Bodennachfrage liegt 
eben unsere zweite Gegenwirkung gegen eine Steigerung der Boden- 
rente, Diese Gegenwirkung ist schwach, wenn Kapital und Arbeit schon 
so weit verwendet sind, daß eine weitere Anwendung dieser Gruppe 
von Produktionsfaktoren auf demselben Boden nur eine relativ kleine 
Vermehrung des Produkts gestattet. Ist die Substitution sehr weit ge- 
trieben, m. a. W. ist die Intensität der Landwirtschaft schon eine sehr 
starke, dann ist auch die Reaktion gegen eine Steigerung der Boden- 
rente sehr abgeschwächt, und wir nähern uns wieder dem Zustand der 
absoluten Bodenknappheit, von dem wir bei diesen Betrachtungen aus- 
gegangen sind. 
An _diese Analyse der Bedeutung des Substitutionsprinzips in der 
Rentenbildung knüpfen sich gewisse Konsequenzen für unsere Auf- 
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