258 Kap. VII. Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien.
Kapital- und Arbeitsaufwand auf diesem Boden veränderlich ist. Dabei
übersieht man aber, daß die Bodenrente doch nur im Zusammen-
ang mit dem gesamten Preisbildungsprozeß der Tauschwirtschaft be-
stimmt werden kann. Wenn wir aber die Tauschwirtschaft in ihrem
Ganzen überblicken, sind die zur Verfügung stehenden Quantitäten der
Kapitalnutzung und der Arbeit ebensowohl wie die der Bodennutzung
in jedem Augenblick als gegeben zu betrachten. Die Preisbildung is
überhaupt an die Bedingung gebunden, daß diese gegebenen Quanti-
täten der Produktionsmittel vollständig in Anspruch genommen werde
ollen. In dieser Hinsicht besteht kein Unterschied zwischen Kapital un
Arbeit einerseits und Boden anderseits. Eine andere Sache ist, daß
die Voraussetzungen der Preisbildung in einem geschlossenen Lande
mit steigender Bevölkerung und wachsendem Kapitalreichtum sich mit
der Zeit ändern und daß dabei die Bodenmenge als relativ fix, die
engen der übrigen Produktionsfaktoren als das vorwiegend bewegliche
lement aufzufassen sind. Dieses Verhältnis hat freilich für die histo-
risch-dynamische Betrachtung der Entwicklung der Preisbildung eine
wichtige Bedeutung.
Jeder Produktionsprozeß ist in Wirklichkeit insofern als eine un-
teilbare Einheit aufzufassen, als die Produktionskosten sich auf das
— Gesamtprodukt des einheitlichen Produktionsprozesses beziehen und
amtliche Kosten umfassen, die zur Herstellung dieses Gesamtprodukts
nötig sind. Dies ist der natürliche Ausgangspunkt der Preisbildungs-
ehre. Wenn zwei Produktionsfaktoren, die einander kontinuierlich ver-
reten können, in einem Produktionsprozeß mitwirken, kann man
wohl in Gedanken den einen als fix annehmen, den anderen in kleine
gleiche Dosen aufteilen und so das Produkt in Teile zerlegen, die mi
diesen sukzessiven Dosen produziert werden. Die früheren Teile des
Produkts müssen dann natürlich größer sein als die folgenden. Der
Preis des letzten Teils entspricht nur dem Preis der letzten Dose de
zweiten Produktionsfaktors, welcher Preis also für den Preis des Pro-
dukts bestimmend wird. Wenn man will, kann man daraus schließen
daß nur der Preis des zweiten Produktionsfaktors ein Element der
Produktionskosten und des Produktenpreises bildet. Die Preise de
übrigen größeren Produktenteile übersteigen den Preis des entsprechen-
den Aufwands vom zweiten Produktionsfaktor. Der Gesamtaufwand
dieses Produktionsfaktors liefert folglich einen Gewinn über die Kosten
desselben, einen Gewinn, den man dem ersten, als fix angenommenen
Produktionsfaktor zuschreiben kann und, wenn dieser dauerhaft ist
als „Rente‘“ desselben bezeichnen kann, wodurch diese Rente aus dem
Preisbildungsprozeß ausgeschaltet wird. Daß in dieser Weise eine
ormell unantastbare _Preisbildungslehre geschaffen. werden kann, soll
icht geleugnet werden. Nur werden die Vorzüge einer so gekünstelten
Behandlung des Preisbildungsproblems En