$ 31. Die Preisbildung der Naturmaterialien. 2867
muß sich direkt auf die Materialpreise beziehen und kann den Preis der
Grube selbst nur als eine sekundäre Erscheinung auffassen.
Der Materialpreis muß als Preis eines primären Produktionsfaktors
durch den allgemeinen Preisbildungsprozeß bestimmt sein. Der Ma-
terialpreis ist demgemäß in erster Linie als ein nach dem allgemeinen
Prinzip der Knappheit bestimmter Knappheitspreis aufzufassen, und
das spezielle Studium der Preisbildung der Naturmaterialien kann sich
auf eine Untersuchung derjenigen Umstände, die die Versorgung der
Tauschwirtschaft mit diesen Materialien regeln, beschränken.
Die Behauptung, daß die Preise der Naturmaterialien auf der
Knappheit der uns zu Gebote stehenden Mengen derselben beruhen,
scheint vielleicht im ersten Augenblick mit der Wirklichkeit wenig über-
einzustimmen. Denn im allgemeinen sind doch von den Naturmaterialien
weit größere Mengen vorhanden, als wir uns augenblicklich, sagen wir
im laufenden Jahre, zunutze machen. Wie kann man dann behaupten,
daß die Naturmaterialien als solche in so knappen Mengen vorhanden
sind, daß auf dieselben ein Knappheitspreis zur Beschränkung der
Nachfrage gesetzt werden muß?
Zur Beantwortung dieser Frage haben wir zunächst zu beachten,
daß die Naturschätze, z. B. die gesamte Erzmenge einer Grube, nicht auf
einmal gewonnen werden können. Der Abbau einer Grube nimmt immer
Zeit in Anspruch, in der Regel eine lange Folge von Jahren. Der
Jahresgewinn an Erz ist also jedenfalls viel stärker begrenzt als die Erz-
menge selbst. Nun ist aber die Abbauzeit nicht von vornherein durch
technische Faktoren absolut bestimmt, sondern kann verkürzt werden,
wenn man nur die Kosten der dafür nötigen Erweiterungen der An-
lagen, Transportmittel, Kraftquellen usw. bestreiten will. Auch in be-
zug auf diejenigen primären Produktionsfaktoren, die wir als Natur-
materialien bezeichnet haben, ist also die Begrenzung der uns inner-
halb einer bestimmten Zeit zur Verfügung stehenden Mengen keine ab-
solute, sondern, wie wir jetzt sehen werden, gewissermaßen eine durch
die Preisbildung bedingte. Wenn die genannten Produktionsmittel schon
in solcher Menge vorhanden sind, daß sie für die Förderung und Ver-
sendung des ganzen Erzvorrats hinreichen, wird jede Vermehrung der-
selben zwecks eines schnelleren Abbaus zusätzliche Kosten verursachen,
die auf dieselbe Erzmenge zu verteilen sind. Anderseits wird, wenn wir
annehmen, daß der Erzpreis am Konsumtionsort unverändert bleibt und
die gesamte Verkaufssumme also feststeht, durch die Verkürzung der
Abbauzeit derjenige Vorteil gewonnen, daß man die Verkaufssumme
früher bekommt. Der Grubenbesitzer, der den Bergbau für eigene Rech-
nung treibt, muß diese Vorteile und Nachteile gegeneinander abwägen.
Er kann dies in richtiger Weise nur so tun, daß er alle Einnahmen
und Ausgaben in der ganzen Abbauzeit für den gesamten Betrieb auf
ihren Gegenwartswert reduziert. Jede Vermehrung des Gegenwarts-
ZU