$ 31. Die Preisbildung der Naturmaterialien. :J
Wieviel Rücksicht der private Unternehmer auf die künftigen Be-
dürfnisse nehmen soll, hängt außer von den genannten Umständen auch
vom Zinsfuß ab, Je höher der Zins, desto höher muß die künftige Preis-
steigerung sein, um die mit dem Schonen der Naturschätze verbundenen
Zinsverluste zu überwiegen, desto reichlicher wird also die Versorgung
der Gegenwart im Verhältnis zur Versorgung der Zukunft sein. Es ist
ferner zu berücksichtigen, daß man über die Versorgung der Zukunft
nichts mit Sicherheit wissen kann. Denn einerseits können neue Lager-
stätten aufgefunden werden, anderseits kann auch die Nachfrage infolge
der Entdeckung neuer Hilfsquellen oder Methoden zurückgehen, wie
z. B. die Nachfrage nach Brennholz für die Eisenproduktion nach den
Erfindungen, die die Anwendung fossiler Brennmaterialien ermöglicht
haben, wenigstens was die Massenproduktion betrifft, weggefallen ist.
Diese Unsicherheit der künftigen Marktlage bewirkt, daß ein Aufsparen
der Naturschätze für die Zukunft erst dann lohnend wird, wenn die
voraussichtliche Preissteigerung außer der Zinsvergütung auch eine
meistens sehr beträchtliche Risikoprämie enthält, und daß folglich die
Versorgung der Gegenwart entsprechend reichlicher wird.‘ Wenn die Ver-
sorgung der Tauschwirtschaft mit einem Naturmaterial in der.Hand
eines einzigen Unternehmers monopolisiert ist, kann es sich für ihn
lohnen, die Förderung stärker zu beschränken, als nach den hier an-
gegebenen Gründen der Fall sein würde. Denn er erreicht durch die
Beschränkung seiner Förderung eine entsprechend verschärfte Knapp-
heit der gesamten Versorgung der Tauschwirtschaft mit dem betreffen-
den Material, also auch eine Steigerung der Gegenwartspreise, die
durch keine Konkurrenz anderer Unternehmer zurückgehalten wird,
sondern der Beschränkung seiner Förderung vollauf entspricht. In der
monopolistischen Beherrschung der Quellen der Naturmaterialien liegt
also ein Umstand, der größere Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse der
Zukunft bewirkt. Jede Verteuerung von Naturmaterialien durch Trust-
bildung wirkt als ein Zwang zu vermehrter Sparsamkeit mit den vor-
handenen Vorräten.
Wenn die organisierte Gesellschaft selbst die Quellen der Natur-
materialien in ihrer Hand hat, sei es nun, daß die Gesellschaft im
übrigen sozialistisch organisiert ist oder nicht, steht sie vor dem
Problem, die relative Versorgung der Zukunft und der Gegenwart mit
Naturmaterialien autonom zu regulieren. Ist die betreffende Volkswirt-
schaft nur ein Teil der Weltwirtschaft, ein Teil also, der mit anderen
Volkswirtschaften in wirtschaftlicher Verbindung steht, so wird sie wohl
den Verbrauch ihrer Naturmaterialien im wesentlichen nach denselben
Gründen und speziell mit derselben Rücksicht auf den Zinsfuß regu-
lieren wie im oben betrachteten Fall, obschon vielleicht der Versorgung
der Zukunft etwas größeres Interesse gewidmet wird, In einer ge-
schlossenen sozialistischen Volkswirtschaft besteht aber kaum eine Not-
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