Full text : Theoretische Sozialökonomie

272 Kap. VII Die Bodenrente und die Preise der Naturmaterialien.
Wenn eine verstärkte Nachfrage nach Eisen den Erzpreis am Konsumtionsorte
 erhöht, wird auch der Preis des Erzes in jeder Grube gesteigert.
 Sind nun mehrere Gruben mit etwas höheren Gewinn- oder
Transportkosten vorhanden, so muß diese Preissteigerung eine Ausdehnung
 des Bergbaus auf solche Gruben veranlassen. Die dadurch eintretende
 Milderung der Knappheit wird der Preissteigerung Einhalt tun.
Die Preissteigerung hat also außer der schon vorhin genannten Gegenwirkung
 einer intensiveren Bearbeitung der schon vorhandenen Gruben
unter Verkürzung ihrer Abbauzeit noch die zweite Gegenwirkung, die
in einer Ausdehnung der Erzgewinnung aus früher wertlosen und unbearbeiteten
 Gruben mit höheren Kapital- und Arbeitskosten besteht.
Man kann diese Gegenwirkung in jeder Hochkonjunktur beobachten,
wo früher unbearbeitete Gruben in Angriff genommen werden oder
Bergbaubetriebe, die wegen der niedrigen Preise niedergelegt waren,
wieder in Gang gesetzt werden.
Die Bedeutung der von den Konsumenten bezahlten Preise der
Naturmaterialien für ihre Versorgung mit denselben tritt am klarsten
hervor, wenn man die Menge von Materialien, die bei jedem Preis
produziert werden können, angibt, also die Gesamtproduktion als eine
Funktion des Preises auffaßt. Für die Beurteilung der Preisentwicklung
müssen wir die Form dieser Funktion, wenigstens in der Nähe des
bestehenden Preises, kennen. Besonders ist die Elastizität der Gesamtproduktion,
 also die Vermehrung derselben, die infolge einer gegebenen
kleinen Preiserhöhung eintritt, von großer Bedeutung. Je stärker diese
ist, desto stärker auch die Gegenwirkung gegen eine Preiserhöhung,
desto stärker also auch die Stabilität der Preise.
Nachdem in dieser Weise die Einwirkung der Preise auf unsere
Versorgung mit Naturmaterialien festgestellt ist, haben wir auch die
Bedeutung der äußeren Faktoren für diese Versorgung kurz anzugeben.
Es ist hier der Entwicklung der Technik zu gedenken. Die technischen
Fortschritte auf dem Gebiete des Bergbaues, z. B. die Einführung der
pneumatischen Bohrmaschinen und die Ausnutzung von Wasserkräften
mittels elektrischen Betriebs, haben die Gestehungskosten reduziert,
während Fortschritte auf dem Gebiete des Transportwesens die Transport-
 und Verladungskosten in dem Maße herabgesetzt haben, daß auch
ein so billiges Material wie Eisenerz nunmehr in großem Umfang
zwischen verschiedenen Weltteilen versandt wird. Gleichzeitig hat die
sehr interessante neuere Entwicklung der Metallurgie die Ausnutzung
von Erzen niedriger Qualität, also ärmerer Erze oder Erze mit Unarten,
 möglich gemacht. Die Einführung des basischen Verfahrens in
der Eisenindustrie hat die außerordentlich großen Mengen von phosphorhaltigen
 Eisenerzen für die Eisenproduktion brauchbar gemacht.
Durch die neueren magnetischen Aufbereitungs- und Brikettierungsmethoden
 ist die Bearbeitung großer Lagerstätten von niedrigprozentigen
            
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