$ 33. Die pessimistischen Lohntheorien. 283
orrat die notwendige Voraussetzung einer Produktion ist. Alle
ersuche, den Begriff des Lohnfonds schärfer zu fixieren, haben nicht
den Mangel an einer klaren Analyse des Produktionsprozesses selbst,
an dem die Lohnfondstheorie leidet, zu decken vermocht.
Auch ist die Vorstellung der Lohnfondstheorie, daß die Quantität
Arbeit, die zu einem bestimmten Lohnsatz beschäftigt werden kann,
durch die Quantität des Kapitals direkt arithmetisch bestimmt ist,
alsch. Gegen diese Vorstellung ist hervorzuheben, erstens, daß Arbei
in Produktionszweigen verwendet werden kann, die eine größere oder
kleinere relative Kapitalnutzung erfordern. Die Verteilung der Arbeiter
auf diese verschiedenen Produktionszweige ist selbst ein Problem des
Preisbildungsprozesses und kann also nicht als von vornherein gegeben
betrachtet werden. Von ihr hängt aber offenbar die Zahl der Arbeiter,
die zu einem bestimmten Lohnsatz nach der Auffassung der Lohnfondsheorie
beschäftigt werden kann, ab. Zweitens ist hervorzuheben, daß
nach dem Substitutionsprinzip Arbeit und Kapital für die Herstellung
desselben Produktes in verschiedenen Proportionen miteinander verbunden
werden können. Aus dieser Unbestimmtheit der Produktionsıethoden
folgt, daß die Zeit, für die der ‚„„Lohnfonds‘ ausreichen
soll, mag man nun den Begriff des Lohnfonds bestimmen wie man will,
nicht bestimmt ist, und daß also auch aus diesem Grunde die Division,
auf welcher die Lohnfondstheorie baut, in Wirklichkeit unbestimmt ist,
Gegen die Lohnfondstheorie wird oft geltend gemacht, daß die
Arbeit nicht vom Kapital, sondern vom Ergebnis der Produktion bezahlt
wird. Diese Einwendung trifft jedoch nicht den Kern der Sache.
Richtig ist natürlich, daß die Arbeiter wie alle anderen Mitglieder de
esellschaft nur von den aus der laufenden Produktion hervorgehenden
ertigen Produkten leben können und, sofern sie Ansprüche auf solche
haben, mit diesen für ihre Einsätze im gesellschaftlichen Produktionsprozeß
entlohnt werden. Die fortdauernde Zahlung eines solchen Arbeitslohnes
hängt aber überhaupt von der Aufrechterhaltung des fortdauernden
Produktionsprozesses ab. Dieser Prozeß ist aber nur möglich,
enn die in jeder Einheitsperiode nötige Kapitaldisposition zur Verügung
gestellt wird. In dieser Weise ist freilich die fortdauernde_Bechäftigung
der Arbeiter von der fortdauernden Zufuhr von Kapitaldisposition
abhängig.
Die Lohnfondstheorie ist ein zu primitives und zu schwaches Gedankengebäude,
um überhaupt eine ernste Kritik aushalten zu können!
Sie Jäßt nichts übrig, was für eine positive Theorie verwertet werden
könnte, Jedoch müssen wir niemals vergessen, daß die Lohnfondsheorie
insofern von einer richtigen Grundanschauung ausgegangen ist,
als sie verstanden oder vielleicht eher gefühlt hat, daß der Arbeitslohn
R gegebener Bevölkerung in einem gewissen Verhältnis zum Kapitaleichtum
der_Tauschwirtschaft steht und zwar im allgemeinen mit
st
Ay