Full text: Theoretische Sozialökonomie

24 Kap. VIII. Der Arbeitslohn. 
eine der beiden Hauptkategorien persönlicher Leistungen aufzufassen — 
die andere umfaßt die Spartätigkeit oder das „‚Warten‘. Die Arbeit in 
diesem allgemeinen Sinne ist aber eine sehr wenig einheitliche Kate- 
gorie. Sie umfaßt außer der gewerblichen Lohnarbeit auch die Unter- 
nehmerarbeit, die wohl begrifflich vom reinen Unternehmergewinn 
unterschieden werden kann, in der Praxis aber diesem oft sehr nahe- 
steht, ferner auch die Arbeit des selbständigen Handwerkers, des 
Bauern, die Leistungen der sogenannten liberalen Berufe und der 
Dienstboten. Auch die ‚gewerbliche Lohnarbeit‘“ stellt keineswegs 
einen einheitlichen Produktionsfaktor dar. Sie umfaßt sowohl die 
Arbeit der in technischen und kaufmännischen Beschäftigungen An- 
gestellten, wie auch die der großen Masse der im gewöhnlichen Sprach- 
gebrauch als Lohnarbeiter Bezeichneten. Aber auch diese letzte Kate- 
gorie ist keineswegs so einheitlich, wie sie in theoretischen und politischen 
Betrachtungen häufig aufgefaßt wird. Die Verschiedenheit der Arbeits- 
löhne sowie auch der Arbeitsleistungen sind auch innerhalb dieser 
Klasse sehr groß. Lebenshaltung, moralische, intellektuelle und soziale 
Standards zeigen eine sehr ausgeprägte Differenzierung. Diesen Verhält- 
nissen muß die Lohntheorie Rechnung tragen, wenn sie die verhängnis- 
vollen Fehler vermeiden will, in welche die Lohntheorie deshalb ge- 
fallen ist, weil sie im Streben nach möglichster Vereinfachung die Arbeit 
als einen einheitlichen Produktionsfaktor und die Arbeiterklasse als 
eine homogene Masse betrachtete. . Man gewinnt unzweifelhaft ein 
viel richtigeres Bild der Wirklichkeit, wenn man das Angebot von 
Arbeit, in ähnlicher Weise wie das vom Boden, als eine Masse auf- 
faßt, die in eine Solche unendliche Reihe von Arten und Qualitäten 
zerfällt, daß annäherungsweise ein kontinuierlicher Übergang von der 
niedrigsten zur obersten Stufe möglich ist. 
Die Arbeit wird teils direkt für die Konsumenten, teils in erster 
Hand für die Unternehmer geleistet. Dieser Unterschied ist für die 
Theorie der Preisbildung kein wesentlicher. Denn auch im zweiten 
Falle ist die Nachfrage nach Arbeit in letzter Linie, in der Hauptsache 
durch die Ansprüche der Konsumtion bestimmt. Im ersten Falle ist die 
Wahrheit des Satzes, daß der Preis der Arbeit ein Ausdruck für ihre 
Schätzung seitens der Konsumenten ist, unmittelbar klar. Der Satz 
behält aber auch für den zweiten Fall wesentlich seine Geltung, Die 
Unternehmer treten wohl dann unmittelbar als Käufer der Arbeit auf. 
Sie können aber, auch wenn sie, wie wir im folgenden Paragraphen 
sehen werden, einen gewissen Einfluß auf die Art der Nachfrage haben, 
gewissermaßen lediglich als Vermittler zwischen den Arbeitern und den 
schließlichen Käufern betrachtet werden. Bei einer idealen Preisbildung 
erhalten die Unternehmer nur den notwendigen Ersatz für ihre not- 
wendigen Leistungen, und die Arbeit erhält, wie die übrigen Produktions- 
faktoren, den Preis, der nach dem Prinzip der Knappheit notwendig 
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