8 35. Die Stellung der Arbeit im Preisbildungsprozeß. Ü
Stücklohn bemessen werden. Dann ist aber auch ein Zeitlohn immer
noch möglich und kommt auch in manchen Fällen vor, z. B. wenn
die Messung der Leistung besondere Schwierigkeiten darbietet, oder
wenn die Qualität der Arbeit durch die vom Stücklohn angespornte Ge-
schwindigkeit gefährdet werden könnte, oder schließlich, wenn der
Arbeiter durch Ursachen, äßer die er keinen Einfluß hat, an der vollen
Ausnutzung seiner Leistungsfähigkeit verhindert wird.
Die eine oder andere dieser Formen für die Messung der Leistung
des Arbeiters hat jedenfalls nur Bedeutung für die praktische Berech-
nung des Arbeitslohns. Der Produktionsfaktor Arbeit kann unter keinen
Umständen lediglich als eine Summe von produktiven Leistungen auf-
gefaßt werden.
Nicht einmal vom Gesichtspunkte des Unternehmers ist die Arbeit
durch ihre produktiven Leistungen vollständig charakterisiert. Die Ein-
heit der Produktionsleistung hat z. B. nicht, wie man etwa meinen
könnte, denselben Wert für den Unternehmer, wenn sie in kurzer oder
langer Zeit hergestellt wird. Denn der Unternehmer hat meistens ein
starkes Interesse daran, daß sein festes Kapital möglichst vollständig
ausgenutzt wird; die Kosten der Nutzung der Fabriksräume, der
Maschinen usw., ferner auch die Kosten der Überwachung, der Er-
wärmung, der Beleuchtung usw. sind alle pro Stunde gegeben, und es
ist also wünschenswert, daß die Arbeiter die teure Zeit in der Fabrik
möglichst vollständig ausnutzen; bei einem Bauunternehmen spielt
es auch eine Rolle, daß der Bau möglichst schnell fertiggestellt wird, und
da nur für eine begrenzte Zahl von Arbeitern Platz vorhanden ist, muß
der Unternehmer auch bei Zahlung von Stücklohn auf größtmöglichste
Leistung pro Stunde Wert legen.
Daß auch im übrigen der Wert der Leistungseinheit, auch wenn
das hergestellte Produkt genau dasselbe ist, durch die Qualität der
Leistung in mannigfaltiger Weise beeinflußt werden kann, liegt auf der
Hand. So ist es für den Unternehmer von Bedeutung, daß die Ma-
schinen vorsichtig und ökonomisch, z. B. mit möglichst geringer Auf-
wendung von Triebkraft, gebraucht werden und daß das Material um-
sichtig und klug, also mit möglichst geringer Verschwendung, gehand-
habt wird. In vielen Stellungen ist die Zuverlässigkeit des Arbeiters
von ausschlaggebender Bedeutung für den Unternehmer, so z. B., wenn
der Arbeiter sehr teure Maschinen oder sehr gefährliche Einrichtungen
oder Arbeiten zu überwachen hat. Der unbedingt Zuverlässige ist hier
unendlich mehr wert als derjenige, der wohl im allgemeinen dasselbe
leistet, aber zu dem man doch nicht dasselbe Vertrauen haben kann.
In den Fällen, wo in der Beschäftigung des Arbeiters zugleich eine
Schulung für höhere Leistungen liegt, hat der Arbeitgeber oft auch
ein Interesse daran, daß der Arbeiter in seinem Berufe zu bleiben be-
stimmt wird und sich wirklich um seine Ausbildung bemüht. In dieser
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