5 Kap. VIIL Der Arbeitslohn.
Beziehung findet man oft einen bestimmten Unterschied zwischen männ-
licher und weiblicher Arbeit: die Tatsache, daß weibliche Angestellte
beim Heiraten ihren Beruf meistens verlassen, dürfte schon an sich ein
Umstand sein, der den Wert ihrer Arbeit auch bei gleichen Leistungen
herabsetzt.
Wenn also die Unternehmer den für die Arbeit zu zahlenden Preis
nicht lediglich nach den produktiven Leistungen der Arbeiter bemessen
können, so können die Arbeiter noch weniger ‚sich mit einem lediglich
nach den produktiven Leistungen bestimmten Preis ihrer Arbeit zu-
rieden geben. Denn die Summe der produktiven Leistungen hängt nicht
ausschließlich von ihnen ab, sondern wesentlich auch von den Unter-
nehmern, von der Leitung und Organisation des Unternehmens, von der
Ausrüstung des Betriebs mit Maschinen und Werkzeugen usw. Die
Arbeiter stellen ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Was die Unternehmer,
oder wenn die Arbeit direkt für Konsumenten geleistet wird, die Kon-
sumenten mit dieser Arbeitskraft zu tun vermögen, ist ihre Sache. Das
allgemeine Maß der Arbeit als Produktionsfaktor kann also nicht im
Resultat der Arbeit gefunden werden.
Der Produktionsfaktor „Arbeit‘“ muß, nach dem Gesagten,
wesentlich. als, ‚die. Verfügung! über ‚eine ‚Arbeitskraft_be;-
stimmter Qualität während einer bestimmten Zeit aufgefaßt
erden. Was für diese Verfügung bezahlt wird, ist der Arbeits-
lohn. Diese Begriffsbestimmung behält auch dann ihre Gültigkeit,
wenn für die Berechnung des Lohns verschiedene Formen gewählt
werden, die, wie der Stücklohn oder die Prämienlöhne der einen oder
anderen Art, eine möglichst starke Aufmunterung zur Intensität —
also Erhöhung ihrer Qualität — bezwecken.
Der Arbeiter, der seine Arbeitskraft verkauft, bezieht daraus ein
inkommen. Dieses Einkommen ist genau vom Arbeitslohn zu
nterscheiden. Der Arbeitslohn ist zwar ein sehr wichtiger Faktor in
der Einkommensbildung der Arbeiter, in dieser wirken aber auch andere
Faktoren mit, vor allem die Stetigkeit der Beschäftigung des Arbeiters.
Diese hängt wiederum offenbar sowohl vom Arbeiter selbst, seiner
moralischen und physischen Kraft und seiner Gesundheit, wie auch
on der Nachfrage, also in letzter Linie von der Konsumtion, un-
ittelbar aber auch von der Leitung des Unternehmens, wo der Arbeiter
eschäftigt wird, ab, wird aber außerdem noch — was oft übersehen
wird — von der ganzen Organisation des Arbeitsmarktes und den
Methoden zur Deckung des Bedarfs an Arbeitskräften wesentlich be-
einflußt. Das Einkommen des Arbeiters kann auf den Tag, die Woche,
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as Jahr oder die ganze Lebenszeit bezogen roh
des Arbeiters pro Lebenszeit tritt offenbar die Dauer seiner vollen
Arbeitstauglichkeit als ein wichtiger Bestimmungsgrund hervor. |
Für einen einheitlichen Produktionsfaktor besteht auf einem idealen
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