Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 36. Die Nachfrage nach Arbeit. 311 
bleibt aber immer, ob die spezielle Arbeit, welche in demjenigen Pro- 
duktionszweige beschäftigt ist, wo der Fortschritt stattgefunden hat, 
von demselben Vorteil oder Nachteil hat. Dies wird davon abhängen, 
ob die vorteilhafte Tendenz der Steigerung der Nachfrage nach dem 
betreffenden Produkt oder die nachteilige Wirkung des relativen Ver- 
drängens der Arbeit durch die Maschinen überwiegt. 
Werden arbeitsersparende Maschinen in einem verhältnismäßig 
kleinen Produktionszweig eingeführt, und ist die Expansionsfähigkeit 
dieser Industrie nicht besonders groß, so wird wenigstens für die nächste 
Zukunft die Nachfrage nach der betreffenden Arbeit vermindert. 
Werden dabei die Widerstände, welche der Überführung dieser Arbeit 
in andere Beschäftigungen entgegenstehen nicht überwunden, d. h. 
bleibt das Angebot eine Zeitlang im großen unverändert, so ist es 
unvermeidlich, daß die Arbeiter des betreffenden Produktionszweiges 
durch die Einführung der arbeitsersparenden Maschinen geschädigt 
werden. Diese Schädigung kann je nach den Umständen in einer Herab- 
setzung des Arbeitslohns oder in einer ungenügenden Beschäftigung 
der Arbeiter hervortreten. Der herabgesetzte Beschäftigungsgrad kann 
wiederum entweder in einer Steigerung der Zahl der Arbeitslosen des 
betreffenden Berufs oder auch in einer allgemeinen Unterbeschäftigung 
seinen Ausdruck finden. In allen Fällen wird das Einkommen der 
Arbeiter sinken und ihre Lebenshaltung herabgedrückt werden. Die dar- 
aus folgende Degradierung der Arbeit selbst wird natürlich durch un- 
regelmäßige Beschäftigung und Unterbeschäftigung noch erschwert. Die 
technischen Fortschritte werden unter solchen Umständen leicht direkt 
auf Kosten einer Zerstörung menschlicher Arbeitskraft gekauft. Diese 
Folgen können nur vermieden werden, wenn man im Bewußtsein der 
Gefahr geeignete Maßnahmen trifft, um die überflüssig gemachten 
Arbeiter in andere Stellungen überzuführen, oder wenn die Durchführung 
der neuen Technik z. B. durch den Widerstand der Fachverbände etwas 
verlangsamt wird. Beide Methoden enthalten aber die Gefahr, daß sie 
unnötigerweise oder in falschen Formen oder während zu langer Zeit 
zur Anwendung gelangen, und daß die Anstrengungen der Arbeiter 
selbst nicht für eine Mitwirkung zur möglichst glatten Durchführung 
des technischen Fortschritts in Anspruch genommen werden. 
Die Wirkungen der Maschinensubstitution hängen auch wesentlich 
davon ab, welche Art von Arbeit die Maschinen erfordern. Die 
ältere Maschinentechnik hat im allgemeinen nur eine Arbeit sehr ge- 
ringer Qualität in Anspruch genommen und ist eben dadurch für die 
Entwicklung der Lebenshaltung der Arbeiter und die Qualität der 
Arbeit sehr verhängnisvoll geworden. Die neuere Maschinentechnik 
dagegen stellt oft, obwohl lange nicht immer, hohe Ansprüche an die 
Qualität der Arbeit, z. B. an Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, Intelligenz 
und Nervenstärke. Sie bedeutet deshalb im großen eine wachsende
	        
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