Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. VIII. Der Arbeitslohn. 
Nachfrage nach Arbeit solcher Qualität. Wenn die Produktion und 
Ausbildung von Arbeitern, die solche Ansprüche erfüllen, mit der Nach- 
frage nicht gleichen Schritt hält, muß offenbar das allgemeine Lohn- 
niveau für die in Rede stehende Arbeit gesteigert werden. 
Bei der Beurteilung der tatsächlichen industriellen Entwicklung 
der westländischen Welt im letzten Menschenalter muß immer beachtet 
werden, daß sie gewissermaßen unter besonders günstigen Umständen 
stattgefunden hat: die Nachfrage nach den Produkten der mit Ma- 
schinentechnik ausgerüsteten Industrie ist auf die ganze Welt ausgedehnt 
worden, während es in der Hauptsache der westländischen Kultur vor- 
behalten blieb, diejenige Arbeit zur Verfügung zu stellen, die allein den 
Ansprüchen dieser Industrie genügen konnte, Ohne diese ganz außer- 
ordentliche und ihrer Natur nach gewissermaßen einmalige Ausdehnung 
der Nachfrage wäre unzweifelhaft die Marktlage für die westländische 
Industriearbeit eine wesentlich schlechtere gewesen, und die Einführung 
der Maschinentechnik wäre unvermeidlich mit viel ernsteren Schädi- 
gungen der westländischen Arbeiterklasse verbunden gewesen, als die 
tatsächliche Entwicklung sie gezeigt hat. 
$ 37. Das Angebot von Arbeit als bestimmt durch die 
Zahl der Arbeiter. 
Für diejenige Preisbildungstheorie, welche die Produktionskosten 
begrifflich lediglich als Preise auffaßt, die bezahlt werden müssen, damit 
gewisse Opfer geleistet werden sollen, mußte es als etwas Wesent- 
liches erscheinen, die Arbeit als ein solches Opfer und den Arbeitslohn 
als den Preis, der erst das notwendige Angebot von Arbeit hervorrufen 
könnte, darzustellen. Es ist unverkennbar, daß man, nur um dieser 
Theorie eine Unterlage zu geben, die Abhängigkeit des Arbeitsangebots 
vom Preise der Arbeit häufig in einer Weise in den Vordergrund der 
Untersuchungen gestellt hat, die durch die vorliegenden Tatsachen nicht 
gerechtfertigt erscheint. Anderseits hat man auch die Stellung der Arbeit 
als primären Produktionsfaktor aufheben wollen und das Angebot 
von Arbeit als eine von einer speziellen Produktionstätigkeit abhängige 
und also erst durch den Produktionsprozeß bestimmte Größe dargestellt 
und in Übereinstimmung hiermit den normalen Bestimmungsgrund 
des Arbeitslohns in den sogenannten Produktionskosten der Arbeit ge- 
sehen. Diesen vorwiegend zugunsten einer gewissen Theorie gemachten 
Konstruktionen gegenüber müssen wir versuchen, das Angebot von 
Arbeit so darzustellen, wie es in seinen wesentlichen Zügen und mit 
seinen wichtigsten Bestimmungsgründen in Wirklichkeit zutage tritt. 
Es läßt sich dann kaum bezweifeln, daß das Angebot von Arbeit in 
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