$ 37. Das Angebot von Arbeit als bestimmt durch die Zahl der Arbeiter. 317
icht hindert, daß die Unmöglichkeit, in gedrückten Zeiten volle Be-
schäftigung für die der Produktion einmal gewidmeten Produktions-
mittel zu finden, ihren Eigentümern sehr unangenehm wird. Be-
sonders muß dies natürlich für die Arbeiter der Fall sein, welche in
Zeiten nachlassenden Bedarfs keine Verwendung für ihre Arbeitskraft
inden. Für sie besteht dann eine wirkliche, wenn auch vorübergehende
Überfüllung des Marktes. Daß gleichzeitig mit dieser Überfüllung des.
larktes mit Arbeitern eine Knappheit der Arbeitskraft aufrechterhalten
wird, ist offenbar eine‘ notwendige Bedingung dafür, daß überhaupt
ein Arbeitslohn bezahlt werden soll. Die interessante Frage, wie es
möglich ist, diese Bedingung zu erfüllen, gehört, wie schon gesagt,
zum nächsten Paragraphen. | I
Wir bemerken hier nur noch, daß eine kleine, von der Statistik nach-
ewiesene Arbeitslosigkeit keinen Überfluß von Arbeitern zu beweisen
raucht: auf dem Arbeitsmarkt sind sowohl Angebot wie Nachfrage
ualitativ, zeitlich und örtlich so stark differenziert, daß ein gewisser
angel an Übereinstimmung immer hervortreten muß. Der bei der
egenwärtigen Organisation vieler Gewerbe, z. B. der Bauindustrie, un-
vermeidliche häufige Stellenwechsel muß in der Statistik in einer ge-
wissen schon ziemlich beträchtlichen, prozentuellen Arbeitslosigkeit zu-
age treten, was nicht hindert, daß Unternehmer gleichzeitig Schwierig-
eit haben, ihren Bedarf an Arbeitskraft zu decken. Auch für andere
ewerbe gilt natürlich etwas Ähnliches, obwohl in abgeschwächtem
rade. Ein gut organisierter Arbeitsnachweis wird diese Art von
Arbeitslosigkeit auf ein Mindestmaß reduzieren, niemals aber voll-
tändig beseitigen!).
Die Menge der Arbeiter wird natürlich in erster Linie durch die
olksvermehrung bestimmt. Diese ist aber meistens nicht gleichmäßig,
sondern zeigt in den verschiedenen Schichten der Bevölkerung eine ver-
chiedene Stärke. Während in den etwas besser gestellten Schichten
meistens eine gewisse Zurückhaltung sich geltend macht, ist die Ver-
nehrung der untersten Klassen zuweilen übermäßig groß. Die große
inderzahl gewisser Schichten der Arbeiterklasse erschwert die gute
rnährung und Erziehung der Kinder und damit auch das Steigen der-
selben auf höhere Stufen. Die unvermeidliche Folge ist eine gewisse
berfüllung des Marktes für ungelernte Arbeiter und für Arbeiter niedri-
erer Qualität. Wenn zugleich die höheren Klassen und die höheren
chichten der Arbeiterklasse relativ zu wenig Kinder aufziehen, kann
vielleicht eine relativ zu große Knappheit an qualifizierten Arbeitern,
ı) Eine vollständige Ausnutzung ist bekanntlich auf keinem Gebiete des wirt-
chaftlichen Lebens möglich: auch bei intensivstem Verkehr wird nur ein Bruchteil
ne Platzkilometer der Eisenbahnen wirklich ausgenutzt; sogar in einer Zn
it ausgeprägtem Wohnungsmangel steht immer noch eine gewisse Prozentzahl der
ohnungen leer.