Kap. VIII. Der Arbeitslohn.
auch mit einer Reduktion der Produktmenge rechnen. Welche sind nun
die wahrscheinlichen Wirkungen einer solchen Taktik? Wenn die be-
treffende Gruppe von Arbeitern innerhalb desselben Berufes oder in
Berufen, die für ähnliche Bedürfnisse arbeiten, Konkurrenz findet, ist
natürlich ihr Streben ziemlich aussichtslos. Ist dagegen die Gruppe
so umfassend, daß sie durch Beschränkung ihrer Arbeit eine wirkliche
Beschränkung der Versorgung der Konsumtion herbeizuführen vermag,
so sind wohl die Aussichten etwas günstiger. Ist die Elastizität der
so beschränkten Nachfrage nicht besonders groß, wird die betreffende
Arbeit bald einen gesteigerten Preis pro Arbeitseinheit erhalten. Aber
auch in den Fällen, wo durch künstliche Beschränkung der Arbeits-
zeit oder der Arbeitsleistung pro Stunde eine Steigerung des Stunden-
lohns bzw. des Stücklohns erreicht werden kann, bleibt immer noch
zweifelhaft, ob die Steigerung die Verminderung der täglichen Arbeits-
leistung zu überwiegen vermag. Wenn dies nicht der Fall ist, muß
jedenfalls das Einkommen des Arbeiters durch die gedachte Politik
herabgesetzt werden.
Die durch Beschränkung der Arbeitsleistung herbeigeführte Ver-
minderung der Produktenmenge muß offenbar die gesamte Kaufkraft
der Gesellschaft immer in gewissem Grade herabsetzen. Der etwaige
Vorteil einer geschlossenen Gruppe von Arbeitern wird also mit einer
gewissen Verschlechterung der Marktlage für die Arbeit im allge-
meinen erkauft. Wenn die betrachtete Gruppe sehr groß ist, etwa
die gesamte körperliche Arbeit umfaßt, wird diese letzte Wirkung,
wie schon 8 36 bemerkt, im allgemeinen eine überwiegende Bedeutung
erhalten. Daß ein herabgesetztes Einkommen für die Arbeiter das Er-
gebnis einer allgemeinen Beschränkung der Arbeitszeit ohne gleich-
zeitige Steigerung der Effektivität der Arbeit sein würde, ist unzweifel-
haft.
Zuweilen wird als Ziel einer Beschränkung. .der täglichen Arbeits-
leistung angegeben, daß die vorhandene Beschäftigung für alle Arbeiter
innerhalb des Berufs ausreichen soll. Dieser Zweck ist offenbar ein
wesentlich anderer als der vorhin behandelte, und eben deshalb mußte
die Voraussetzung, von welcher wir jetzt ausgehen, nämlich, daß eine
gewisse Arbeitslosigkeit besteht, im vorhergehenden Falle ausgeschlossen
werden. Wird unserer jetzigen Voraussetzung gemäß durch die Be-
schränkung der individuellen Arbeitsleistung die gesamte dargebotene
Arbeitsmenge nicht vermindert, sondern nur auf eine größere Zahl von
Individuen verteilt, so können offenbar die Knappheit der Arbeit und
der Preis derselben nicht von der Veränderung beeinflußt werden. Das
gesamte Arbeitseinkommen bleibt unverändert und wird nur auf eine
größere Zahl von Arbeitern verteilt. Das Arbeitseinkommen des Ein-
zelnen muß aber dadurch in demselben Verhältnis wie die Arbeits-
zeit herabgesetzt werden. In vorübergehenden Krisen, sowie. auch
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