Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 547 
heit und dem Differentialprinzip geregelt wird. Im letzten Falle wird 
der Münzwert von den teuersten, noch in Anspruch zu nehmenden 
Münzen bestimmt. Unsere drei hier aufgestellten Sätze geben eine gute 
Anleitung für die Beurteilung verschiedener praktischer Fragen des 
Münzwesens., 
Die Schaffung von Zahlungsmitteln mit bestimmter gesetzlicher 
Zahlungskraft und mit in der einen oder anderen Weise regulierten 
Knappheit gibt nach dem Gesagten der Preisskala eines Landes ihre 
fixierte Bedeutung. Wenn wir diese Preisskala in Verbindung mit der 
gesamten staatlichen Regulierung der in ihr gültigen Zahlungsmittel 
bezeichnen wollen, sprechen wir von der Währung des Landes. 
Durch die Münzprägung wird ein Geld geschaffen, das als solches 
wesentlich nur Geld ist und von welchem das Metall sich als Gut oder 
Ware bestimmt unterscheidet. Allerdings kann die Münze einge- 
schmolzen und als Metall verwertet werden, sie hört aber damit auf, 
Münze zu sein; sie kann auch zufälligerweise in der Form von Münze 
als Gut benutzt werden, was der tatsächliche in gewissen Ländern 
(Indien) nicht unbedeutende Gebrauch von Münzen als Schmuck- 
sachen beweist. Das Metall kann seinerseits jedenfalls nur durch Prä- 
gung, für welche der Staat beliebige Bedingungen setzen kann, in 
Münzen umgewandelt werden. Wenn aber der Staat die Prägung mög- 
lichst erleichtert, ist auch in dieser Richtung die Grenze leicht zu über- 
schreiten. Ein reines Geld, losgelöst von jedem Zusammenhang mit 
irgendeinem materiellen Gute, ist erst der als gesetzliches Zahlungsmittel 
anerkannte Papierschein. 
$ 42. Die Probleme der Münzzirkulation. 
Durch die Erfindung der Münzprägung wurde das Zahlungsver- 
fahren offenbar ganz außerordentlich erleichtert. Dieser Fortschritt hat 
ohne Zweifel eine große Bedeutung für die Entwicklung des Tausch- 
verkehrs gehabt. Zunächst zeigt aber der Gebrauch von geprägten 
Münzen gegenüber dem des ungeprägten Metalls auch schwere Nach- 
teile, die erst nach Jahrtausenden von schlechten Erfahrungen und ver- 
geblichen Bemühungen vollständig überwunden werden konnten. 
Die Möglichkeit, die Münzen unterwertig, d. h. mit einem ge- 
ringeren Metallgehalt als dem ursprünglichen, aber mit unverändertem 
Nennwert zu prägen, hat in Verbindung mit der immer fortgehenden 
Abnutzung der Münzen in allen Ländern zu einer mehr oder weniger 
weitgehenden und unaufhörlichen Münzverschlechterung geführt. Ver- 
suche, die man ab und zu gemacht hat, um dieser Münzverschlechterung 
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