Full text : Theoretische Sozialökonomie

Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw.
kosten, teils von der Ungleichmäßigkeit der Prägung, teils von der
Abnutzung der Münzen her.
Die hohen Prägekosten veranlassen, daß der Metallgehalt der
Münzen gern mit einem den Prägekosten entsprechenden Betrag herabgesetzt
 wird. Da es nicht gelingt, den Münzwert über den Metallwert
zu erhalten, muß der Münzwert allmählich entsprechend sinken. Die
nächste größere Neuprägung führt in ähnlicher Weise zu einer abermaligen
 Senkung des Münzwertes usw. Die hier berührte Schwierigkeit
ist nunmehr dadurch erheblich vermindert worden, daß die Prägekosten
durch die moderne Maschinentechnik auf ein Minimum redüziert
worden sind.
Die Ungleichmäßigkeit der Prägung, die ebenfalls eine Folge der
unvollkommenen Prägetechnik der älteren Zeiten war, hat in der Weise
zur Münzverschlechterung beigetragen, daß die besten Münzen ausgesucht
 und als Metall verwertet wurden. Dies konnte nach unserem
dritten, im vorigen Paragraphen aufgestellten Prinzip geschehen, sobald
 der Münzvorrat den inneren Bedarf an Zahlungsmitteln übertraf.
Eine solche Auswahl, die natürlich besonders bei Zahlungen nach auswärts
 wirksam wurde, mußte offenbar eine Senkung des Durchschnittsgehalts
 herbeiführen. Auch dieser Übelstand hat durch die Fortschritte
der Prägetechnik, die eine im hohen Grade homogene Münzproduktion
ermöglicht haben, wesentlich an Bedeutung verloren.
Die dritte Ursache zur ständigen Münzverschlechterung ist die
Abnutzung der Münzen. Diese Abnutzung ist bei unvollkommener
Prägetechnik bedeutend größer als jetzt, ganz besonders natürlich, wenn
man die leichtere Möglichkeit den Münzen unrechtmäßig durch Feilen
oder Bohren Metall zu entziehen in Betracht zieht. Hatte nun der
Münzstock im Laufe der Zeit durch Abnutzung sehr viel gelitten, und
war dabei der Münzwert etwa auf den Metallwert der besten noch
zirkulierenden Münzen herabgesunken, so konnten neue vollwichtige
Münzen mit dieser herabgesetzten Zahlungskraft nicht ausgegeben
werden, ohne gleich dem Verkehr entzogen und als Metall verwertet zu
werden. Es blieb demnach nichts anderes übrig, als bei jeder Neumünzung
 die durch die Abnutzung herbeigeführte Wertverminderung
der Preiseinheit als eine Tatsache anzuerkennen und den Metallgehalt
der neuen Münzen danach einzurichten. In dieser Weise mußte offenbar
 die immer fortgehende Abnutzung eine unbegrenzte Münzverschlechterung
 veranlassen.
Das Mittel, durch das der moderne Staat die stetige Münzverschlechterung
 definitiv zu verhindern gewußt hat, ist die Aufhebung
der gesetzlichen Zahlungskraft derjenigen Münzen, die das Passiergewicht
 unterschritten haben.
Gewöhnlich werden die Münzen dann immer noch von staatlichen
Kassen zu ihrem Nennwerte angenommen. Hierdurch wird die Be-350


            
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