Full text: Theoretische Sozialökonomie

DL Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw. 
dieselben sind, müssen sie sich für die kleineren Münzen relativ wesent- 
lich höher stellen als für die größeren. Deshalb sind die kleinen Münzen 
regelmäßig bedeutend mehr unterwertig geprägt worden als die größeren. 
Auch die Ungleichheit der Prägung ist bei den kleineren Münzen 
relativ stärker als bei den größeren. Dasselbe gilt bezüglich der Ab- 
nutzung, da die kleineren Münzen meistens eine stärkere Zirkulation 
haben. 
Die durch die genannten Momente verursachte fortgesetzte Herab- 
setzung des Metallgehaltes der Münzen mußte also in bezug auf die 
kleineren Münzen ebenfalls in höherem Grade hervortreten. Da somit 
die Münzen, die in verschiedenen Nennwerten von demselben Metalle 
geprägt wurden, im Laufe der Zeit in verschiedenem Maße an Metall- 
gehalt verloren, konnte offenbar kein festes Wertverhältnis unter ihnen 
aufrechterhalten werden. Der ursprüngliche Zusammenhang der ver- 
schiedenen Münzen eines von Anfang an einheitlichen Geldsystems 
mußte unter solchen Verhältnissen aufgelöst und das Geldsystem als 
solches zerstört werden. 
Diesen Wirkungen entgegenzutreten und ein Mittel zur Aufrecht- 
erhaltung eines einheitlichen Geldsystems herauszufinden, war Seit 
alters her eins der großen Probleme der Geldpolitik. Es galt ein Mittel 
zu finden, wodurch die kleineren Münzen, die man nicht vollwertig zu 
prägen oder zu erhalten imstande war, in ihrem vollen Nennwert ge- 
halten werden konnten. Dies war möglich, wenn nur die Prägung von 
kleineren Münzen hinreichend beschränkt blieb. Dieser Gedanke hat 
dazu geführt, daß die Prägung von kleineren Münzen dem Staate vor- 
behalten und auf ein das Bedürfnis des Verkehrs nicht überschreitendes 
Maß beschränkt worden ist. 
Bei dieser Methode stößt man aber auf die Schwierigkeit, den Be- 
darf des Verkehrs an kleineren Zahlungsmitteln mit einiger Sicherheit 
vorauszusehen. Daß auch die neuere Geldpolitik dies nicht vermocht 
hat, ist sicher. Das deutsche Münzgesetz von 1873 beschränkte die 
Ausgabe von Reichssilbermünzen auf zehn Mark pro Kopf der Be- 
völkerung. 1900 wurde dieser Höchstbetrag auf fünfzehn Mark und 
1908 auf zwanzig Mark erhöht. Daß mit diesen Ziffern jemals eine 
wirkliche Anpassung an die Bedürfnisse erreicht wäre, ist nicht wahr- 
scheinlich. Wenn eine solche Regelung streng genug ist, wird leicht 
ein Augenblick kommen, wo die zugelassene Zirkulation zu klein 
wird, und die Knappheit an kleineren Zahlungsmitteln von dem Ver- 
kehr lästig empfunden wird. Eine genaue Anpassung an die wechselnden 
Bedürfnisse des Verkehrs läßt sich offenbar nur erreichen, wenn dem 
Verkehr Gelegenheit gegeben wird, überflüssige Mengen von Klein- 
münzen an Zentralkassen abzustoßen, dafür aber die Nachfrage nach 
solchen Zahlungsmitteln immer reichlich versorgt wird. In Deutschland 
waren gewisse Reichsbankkassen angewiesen, Silber-, Nickel- und 
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