304 Kap. IX. Analyse des Geldwesens usw.
in die Höhe getrieben und den Wert der Währungseinheit entsprechend
herabgedrückt.
Die außerordentliche Vermehrung der Zahlungsmittelversorgung
der Welt hat sogar einen Druck auf den Wert des Goldes selbst aus-
geübt, der in 1920 sogar unter 40% des Vorkriegswertes herunterkam.
Nachher hat sich der Wert des Goldes in der Höhe von etwa 67% des
Vorkriegswertes stabilisiert. Für die Wiederherstellung der alten
Goldwährung war es deshalb nicht nötig, den Wert einer Papierwährung
auf den alten Goldwert zu erhöhen, es genügte, wenn man etwa auf
67% des früheren Wertes kommen könnte. Dies hat natürlich die Wieder-
herstellung der Goldwährung in der alten Parität in hohem Grade
erleichtert, und einer Reihe von Ländern; zuerst die Vereinigten
Staaten; in Europa; Schweden, dann England, Holland und die Schweiz, -
ist es in dieser Weise gelungen, zu ihrer alten Goldwährung zurück-
zukehren. In gewissen anderen Ländern, besonders in Staaten, wo die
Valutaverschlechterung am weitesten gegangen war, hat man durch
Verlassen einer auf Schaffung von neuen Zahlungsmitteln begründeten
Finanzwirtschaft und strenge Regulierung der Zahlungsmittelversor-
gung eine Stabilisierung des Geldwesens erreicht, wodurch es möglich
wurde, der Valuta eine neue Parität mit Gold zu geben. In Deutsch-
land, wo die alte Mark durch die Papierwirtschaft auf einen Billionen-
teil ihres früheren Wertes herabgedrückt worden war, ist die Valuta
in dieser Höhe stabilisiert, wobei eine neue Währungseinheit, die Reichs-
mark, gleich der alten Goldmark, eingeführt worden ist. In vielen
Ländern ist aber die Stabilisierungsfrage immer noch am Ende 1926
unentschieden. ‚Man hat von einer Wiederherstellung der alten Gold-
parität geträumt, aber man hat sich{mit Rechf]gescheut vor der dafür
notwendigen, oft sehr gewaltigen Beschränkung der Zahlungsmittel-
versorgung und der entsprechenden Senkung des allgemeinen Preis-
niveaus. en arten, daß diese Frage in den nächsten
Jahren in allen Ländern zu einer endgültigen Regelung kommt und
daß also die gesamte Welt zur Goldwährung zurückkehrt. Man wird
dann gelernt haben, welche absolut entscheidende Bedeutung die
quantitative Umfassung-der Zahlungsmittelversorgung für den Wert der
Geldeinheit hat!).
1) Die Erfahrungen der hier berührten Inflationsperiode können im folgenden
nur in kurzer Zusammenfassung behandelt werden. Für eine eingehende Diskussion
derselben muß ich auf meine Spezialarbeiten hinweisen, nämlich:
The World’s Monetary Problems. Two Memoranda. London 1921.
Deutsch, Das Geldproblem der Welt. Erste Denkschrift, II. Aufl., München
1922. Zweite Denkschrift, ebenda 1922.
Money and Foreign Exchanges after 1914, London and Newyork 1922.
Deutsch, Das Geldwesen nach 1914, Leipzig 1925.
Französisch, La Monnaie et le Change apres 1914, Paris 1923. Das Sta-
bilisierungsproblem, Leipzig 1926.
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