Full text : Theoretische Sozialökonomie

$ 44. Die Zentralisierung der Kassenhaltung in den Banken. 367
wicklung in zwei Teile, von denen der eine in den Banken als Reserve
 liegt, der andere in den Händen des Publikums sich befindet
und als die zirkulierende Geldmenge bezeichnet wird. Wenn die
Gewohnheit, -Kassenmittel bei einer Bank anzulegen, allgemeine Verbreitung
 gefunden hat, wird sich die Volkswirtschaft mit einer verhältnismäßig
 kleinen zirkulierenden Geldmenge begnügen können,
braucht aber außerdem eine Bankreserve in gewisser Höhe. Diese
Reserve kommt zur Anwendung, sobald der Gesamtbedarf anzirkulierendem
 Gelde zufällig über sein normales Maß hinaus steigt. Bei jeder
solchen Gelegenheit fließt Geld aus der Reserve in die Zirkulation, um
bei Nachlassen des Bedarfs wieder in die Reserve zurückzufließen.. Die
Höhe der Geldsumme, die normal als Reserve gehalten werden muß,
bestimmt sich folglich nach der Größe der Schwankungen des volkswirtschaftlichen
 Bedarfs an zirkulierendem Gelde.
Immer muß jedoch im ganzen durch die beschriebene Konzentrierung
 der Kassenhaltung eine erhebliche Verminderung des Geldbedarfs
 der Volkswirtschaft erreicht werden. Oder, von einem anderen
Gesichtspunkte: es muß bei gegebener Geldmenge eine gesteigerte Zahlungsleistung
 bewältigt werden können. Mit anderen Worten: die
Konzentrierung der Kassenhaltung verringert die Knappheit des.
Geldes,
Wir haben hier die Bankdepositen nur insofern in Betracht gezogen,
als sie reine Kassenbestände darstellen und also auf Sicht rückzahlbar
sind. Solche Depositen erhalten die Banken, wie gesagt, teils von
Unternehmungen, die für ihren Geschäftsbetrieb stets eine Kasse
brauchen, aber es vorziehen, diese Kasse zum Teil bei einer Bank zu
halten, teils von Privatpersonen, die ihre Mittel, sei es für Verbrauch,
sei es für Kapitalanlage eine kürzere Zeit disponibel halten.
Die Banken nehmen aber auch Depositen ganz anderer Art entgegen.
 Zuweilen überläßt nämlich ein Sparer seiner Bank die spezielle
Kapitalanlage. Er leiht der Bank seine Ersparnisse gegen Zins auf
längere Zeit. Die Bank hat dann ihrerseits für dieses Kapital eine Anlage
 zu finden. Diese Vermittlung der Kapitalanlage des Publikums ist
ein besonderes Geschäft, das zwar zum Teil von den Banken getrieben
 wird, aber für welches auch besondere Anstalten geschaffen
werden. Für die kleineren Sparmittel kommen hier besonders die Sparkassen
 in Betracht. Natürlich kommen neben diesen Hauptformen von
Depositen auch Zwischenformen vor, wo die Mittel auf kurze Zeit
rückzahlbar sind und zu einem niedrigen Zinsfuß verzinst werden, und
wo es unbestimmt bleibt, ob sie als temporäre Kapitalanlage oder als
Kassenbestände zu betrachten sind. In einer Untersuchung über das
Geldwesen müssen wir offenbar von allen Depositen, die Kapitalanlagen
 darstellen, absehen und uns auf die reinen Kassenmittel, die
den Banken in laufender Rechnung anvertraut werden, beschränken,
            
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