Full text : Theoretische Sozialökonomie

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Kap. X. Die Bankzahlungsmittel.
Wir haben bisher die Sache so dargestellt, als ob die Depositen
immer dadurch entständen, daß das Publikum seine überflüssigen baren
Kassenvorräte den Banken übergibt. Dies ist nur zum Teil der Fall.
In Wirklichkeit werden die Depositen zum großen Teil dadurch gebildet
und fortwährend gespeist, daß die betreffende Bank ihren Kunden Vorschüsse,
 sei es im Diskontgeschäft oder im Lombard, bewilligt, und
die entsprechenden Beträge den Kunden auf ihren Scheckrechnungen
gutschreibt. Dasselbe gilt in hohem Grade hinsichtlich der Giroguthaben
der Banken bei der Zentralbank. Oft räumt auch die Bank ihren Kunden
 das Recht ein, bis zu einem gewissen Betrage Schecks zu ziehen,
ohne daß irgendeine Deckung im voraus vorhanden ist. Solche von
der Bank bewilligte Kredite können als fingierte oder Buchkredit-Depositen
 aufgefaßt werden. So geschaffene „„Depositen‘‘ sind als Zahlungsmittel
 den früher gedachten vollständig gleichgestellt.
Das Geschäft der Banken besteht unter solchen Verhältnissen nicht
ausschließlich, vielleicht nicht einmal in der Hauptsache darin, daß sie
einen Teil der ihnen als Depositen vertrauten Mittel zinstragend an-Jegen,
 sondern vielmehr darin, daß sie Vorschüsse bewilligen, die nicht
bar ausgezahlt werden, sondern als Depositen bei ihnen stehen bleiben.
Zwar werden diese Depositen durch Schecks von der einen Bank zur
anderen übergeführt, die Gesamtsumme der Depositen in der betreffenden
 Volkswirtschaft wird aber dadurch nicht vermindert, sondern
sie bildet einen stehenden Teil des volkswirtschaftlichen Zahlungsmittelvorrats,
 einen Teil, der sogar bei jeder Erweiterung der betreffenden
Vorschüsse noch vergrößert wird. Gewiß werden aus den Depositen
auch Summen in Bar ausgezahlt, im ganzen wird aber unter normalen
Verhältnissen ebensoviel auf den Depositenbanken in Bar eingezahlt, so
daß der gesamte Kassenbestand der Banken unberührt bleibt. Dieses
Gleichgewicht läßt sich allerdings nur solange erhalten, als nicht zu
viel Depositen geschaffen werden. Hierin liegt in der Tat, wie wir
gleich sehen werden, die Begrenzung der scheinbar beliebigen Vermehrbarkeit
 der Depositen.
Die Depositen können als Zahlungsmittel niemals das bare Geld
vollständig ersetzen. Auch bei hochentwickeltem Depositenverkehr wird
bares Geld in großem Umfange in gewissen Kreisen und für gewisse
Arten von Zahlungen verwendet. Die ganze Arbeiterklasse, wohl auch
die meisten eigentlichen Handwerker, zum Teil die kleinen Händler und
die große Mehrzahl der Landwirte stehen in der Regel ganz außerhalb
des Scheckverkehrs. Auch die Inhaber von Scheckrechnungen brauchen
für ihre täglichen persönlichen Ausgaben in weitem Umfange bares
Geld. Der ganz überwiegende Teil der eigentlichen Konsumtion dürfte
alsö auch in einer hochentwickelten Volkswirtschaft durch bares Geld
(bzw. Banknoten) gezahlt werden.
Was die relative Bedeutung der Depositen einerseits und die des
            
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