Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 47. Die Rückströmung der Bankzahlungsmittel. 3 
stärken. Man suchte dem Publikum die Vorstellung beizubringen; 
daß die Reserve immer noch eine gewisse „Deckung‘‘ der Noten bildete 
und denselben eine Zuverlässigkeit verliehe, die sie nicht länger in 
einer bestimmten Begrenzung der Menge besaßen. Daß diese Unehr- 
lichkeit der offiziellen Verkündung, durch welche das Publikum mit 
Hilfe eines leeren Scheines um die Wesentlichkeiten betrogen wurde, 
für das ganze europäische Geldwesen verhängnisvoll wurde, werden wir 
im folgenden sehen. 
8 47. Die Rückströmung der Bankzahlungsmittel. 
Unsere bisherigen Untersuchungen haben gezeigt, daß die Ver- 
sorgung des Verkehrs mit Bankzahlungsmitteln in der Hauptsache ledig- 
lich durch die Bedingungen, unter welchen sie dem Verkehr zur Ver- 
fügung gestellt werden, reguliert wird. Die Einlösung der Bankzah- 
lungsmittel mit Geld hat höchstens Bedeutung für die Ausgleichung der 
kleinsten bei einer richtigen Bankpolitik noch möglichen Kursschwan- 
kungen der Bankzahlungsmittel im Verhältnis zum Geld. Die Erfahrung 
zeigt, daß es den Banken gelingt, den Bankzahlungsmitteln einen be- 
stimmten Wert zu geben, ohne daß dafür andere Mittel als die genannten 
Bedingungen zur Anwendung kommen. Man kann daraus schließen, 
daß es möglich sein muß, wesentlich dieselbe Stabilität der Preisskala 
aufrechtzuerhalten, wenn die Einlösungspflicht wegfällt. Tatsächlich 
wird auch die Zahlungsmittelversorgung in einem Lande, wo Banknoten 
mit Zwangskurs die Basis des Zahlungssystems bilden, durch keine 
andere Methode reguliert, 
Bei Goldwährung ist übrigens zu beachten, daß bei gegebener 
monetärer Goldmenge die ganze Zahlungsmittelversorgung durch die 
Bedingungen, unter welchefi die Banken Zahlungsmittel zur Verfügung 
stellen, einheitlich reguliert wird. Um seinen Bedarf an Goldmünzen 
zu decken, wendet sich der Verkehr an die Kassen der Banken. Die 
Bedingungen, die die Banken für die Hergabe von Zahlungsmitteln 
stellen, bestimmen, bei gegebener mönetärer Goldmenge, die Ver- 
sorgung des Verkehrs nicht nur mit Bankzahlungsmitteln, sondern 
auch mit Goldmünzen und also die gesamte Zahlungsmittelversorgung, 
oder wenn man so will, den Grad der Ausnutzung der vorhandenen 
monetären Goldmenge für Zahlungszwecke. 
Unter diesen Verhältnissen muß offenbar das Studium der Regu- 
lierung der Zahlungsmittelversorgung durch die hier genannten Be- 
dingungen eine zentrale Stellung in der Geldlehre einnehmen. Bei diesem 
Studium dürfen wir voraussetzen, daß eine Einlösung der Bank- 
zahlungsmittel nicht vorkommt, und können folglich der Einfachheit 
halber ‚eine Volkswirtschaft betrachten, wo überhaupt kein Bargeld 
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