Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. X. Die Bankzahlungsmittel. 
die tägliche Rückströmung der Bankzahlungsmittel eine Million Mark; 
also 1/3 der Gesamtsumme der ausstehenden Bankzahlungsmittel be- 
tragen. Die Rückströmungsgeschwindigkeit ist also gleich */,g und die 
durchschnittliche Umlaufszeit der Bankzahlungsmittel gleich achtzehn 
Tage. Die Bankzahlungsmittel kommen also jeden achtzehnten Tag als 
Zahlung für verfallende Vorschüsse zur Bank zurück und werden gleich 
zu neuen Vorschüssen gebraucht. Dies wiederholt sich fünfmal in der 
Periode von neunzig Tagen, die der Laufzeit der Vorschüsse entspricht. 
Eine hohe Liquidität ist an sich insofern von Bedeutung, als sie 
den Banken ermöglicht, ihre Vorschüsse schnell den Veränderungen 
in der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden, in der Lage der verschiedenen 
Geschäftszewige und in der Qualität der dargebotenen Realsicherheiten 
anzupassen, schlechte Engagements schleunigst abzustoßen und somit 
ihr Portefeuille in möglichster Vollwertigkeit zu erhalten. 
Im übrigen dient eine hohe Liquidität der Aktiva in Verbindung 
mit einer relativen Beschränkung der täglich fälligen Verbindlichkeiten 
im Verhältnis zu den gesamten Passiva, wie hier gezeigt, zur Erhaltung 
einer größtmöglichen Rückströmungsgeschwindigkeit der Bankzahlungs- 
mittel. Die Rückströmungsgeschwindigkeit hat wesentliche Bedeutung 
für eine wohlgeordnete Zahlungsmittelversorgung der Volkswirtschaft 
und damit für die Aufrechterhaltung eines stabilen Geldsystems. Es 
kommen hier besonders zwei Gesichtspunkte in Betracht. 
Erstens erfordert eine gesunde Zahlungsmittelversorgung, daß die 
Masse der Zahlungsmittel bei sinkendem Bedarf an Zahlungsmitteln 
automatisch und möglichst schnell reduziert wird. Wir wissen, daß der 
Zahlungsmittelbedarf der modernen Volkswirtschaft bedeutenden 
Schwankungen, z. B. mit den Jahreszeiten, unterliegt. Der zufällig 
steigende Zahlungsmittelbedarf soll von den Banken im ‚weitesten Um- 
fange befriedigt werden. Die so geschaffenen Bankzahlungsmittel 
müssen aber, sobald der Bedarf nachläßt, schleunigst eingezogen 
werden. Wo dies nicht geschieht, muß ein Zustand eintreten, in dem 
die Menge der ausstehenden Bankzahlungsmittel über den wirklichen 
Bedarf hinausgeht. Eine solche unberechtigte Ausdehnung der Zahlungs- 
mittelversorgung der Gesellschaft hat aber immer eine Tendenz, den 
Wert der Währungseinheit herabzudrücken, und ist aus diesem Grunde 
möglichst zu vermeiden. 
Zweitens wird offenbar die Regulierung der Zahlungsmittel 
versorgung durch die Vorschußbedingungen der Banken effektiv in 
demselben Maße, wie Veränderungen in diesen Bedingungen schnell 
zur allgemeinen Geltung gelangen. Wenn Vorschüsse immer nur auf 
dreißig Tage bewilligt werden, dauert es offenbar dreißig Tage, bevor 
eine Veränderung der Bedingungen für die Gesamtmasse der Vor- 
schüsse durchgesetzt wird. Wären die Vorschüsse statt dessen durch- 
schnittlich auf drei Monate bewilligt, so würde die entsprechende Zeit 
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