$ 48. Die Deckung der Bankzahlungsmittel. 9
on einer genauen Übereinstimmung zwischen der Zeit, während
elcher eine Ware in dem Produktionsprozeß des Käufers bleibt,
nd der Verfallzeit des von ihm akzeptierten Wechsels kann aber keine
Rede sein. Wenn die Laufzeit des Wechsels z. B. drei Monate beträgt,
kann vielleicht der Veredelungsprozeß (beziehungsweise Verkaufsprozeß
im Handel) vier Monate in Anspruch nehmen. Dann ist offenbar der
esamtwert der im Geschäft unter Verarbeitung befindlichen Mate-
ralien größer als die Summe der gleichzeitig ausstehenden Wechsel.
Dies bedeutet, daß das Geschäft die für das bewegliche Realkapital
nötige Kapitaldisposition zu einem Teil selbst besitzt und also nur zu
einem Teil auf dem Wege des Wechseldiskontierens anschaffen muß.
Es kann aber auch vorkommen, daß die durchschnittliche Laufzeit
der Wechsel eines Geschäfts größer ist, als die durchschnittliche Pro-
duktionsperiode des Geschäfts. Wenn z. B. die Verfallzeit der Wechsel
drei Monate beträgt, aber die Materialien, die gegen Wechsel gekauft
erden, durchschnittlich nach anderthalb Monaten verarbeitet und
verkauft sind, ist offenbar die Gesamtsumme der gleichzeitig aus-
stehenden Wechsel doppelt so groß, wie der gesamte Einkaufswert
der gleichzeitig im Geschäft befindlichen gegen Wechsel angekauften
aterialien. In diesem Falle hat also das Geschäft Kapitaldisposition
urch Wechseldiskontierung nicht nur für das bewegliche Realkapital,
ondern auch für einen Teil seines festen Kapitals in Anspruch ge-
nommen. Es ist also nicht ganz exakt, zu behaupten, daß die Gesamt-
masse der im Umlauf befindlichen Wechsel lediglich durch bewegliches
Realkapital, das sich im Produktionsprozeß befindet, gedeckt wird.
Im großen dürfte dies jedoch unter gesunden Verhältnissen zutreffen.
nzweifelhaft ist auch, daß die Gesamtmasse des beweglichen Real-
kapitals der Volkswirtschaft viel größer ist, als die Gesamtsumme
der gleichzeitig in Umlauf befindlichen Wechsel.
Wenn nun Bankzahlungsmittel durch Wechsel, diese wieder durch
bewegliches Realkapital, gedeckt sind, so folgt, daß die Realdeckung
der Bankzahlungsmittel aus beweglichem Realkapital besteht. Die
Bankzahlungsmittel sind von diesem Gesichtspunkte aus als An-
eisungen auf das bewegliche Kapital der Volkswirtschaft zu betrachten.
Dies macht die Bankzahlungsmittel als Zahlungsmittel besonders ge-
eignet. Denn die weitaus größte Anwendung für Zahlungsmittel be-
steht eben in Zahlungen für bewegliches Realkapital, das sich im Pro-
duktionsprozeß bis zum Konsumenten vorwärts bewegt. Wenn dieses
bewegliche Realkapital mit Bankzahlungsmitteln gekauft wird, be-
deutet dies nur, daß eine allgemeine Anweisung auf das bewegliche
Realkapital der Volkswirtschaft in konkreter Form geltend gemacht
ird. Der Verkäufer, der Bankzahlungsmittel in Zahlung nimmt, ver-
endet diese auch nach Bedarf zur Einlösung von Wechseln, wodurch
also die Bankzahlungsmittel wieder an die Banken zurückkehren.
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