Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 48. Die Deckung der Bankzahlungsmittel. 1 
eben zu beachten, daß eine Rückzahlung der Lombarddarlehen nicht 
durch den normalen Fortgang des Produktionsprozesses gewährleistet 
ist. Wenn also die Banken unter Umständen gezwungen sind, ihre 
Lombardforderungen durch Zwangsverkauf der Pfänder einzutreiben, 
kann dies oft nicht ohne ein störendes Eingreifen geschehen, das be- 
sonders in Krisenzeiten für das Geschäftsleben gefährlich werden kann 
und deshalb von den Banken möglichst vermieden werden muß. In 
dieser Beziehung sind Lombardforderungen guten Handelswechseln 
als Deckung für Bankzahlungsmittel wesentlich unterlegen. 
In einem gewissen Umfange kann es vom Gesichtspunkt der 
Zahlungsmittelversorgung der Volkswirtschaft berechtigt sein, Bank- 
zahlungsmittel durch lombardierte Wertpapiere und also in letzter 
Linie durch festes Kapital zu decken. Denn Bankzahlungsmittel 
werden natürlich auch in gewissem Umfange zum Kauf von Wert- 
papieren und festem Kapital benutzt. Da aber diese Verwendung 
der Bankzahlungsmittel wesentlich geringere Bedeutung hat, als ihre 
Verwendung zum Kauf von beweglichem Kapital, dürfte es im Interesse 
einer richtigen Regulierung der Zahlungsmittelversorgung liegen, wenn 
die Lombardsicherheiten als Deckung der Bankzahlungsmittel micht 
ebenbürtig an die Seite der Wechsel gestellt werden, wenn also eine 
Notendeckung durch Lombardsicherheiten ausgeschlossen wird, und 
wenn der Lombardzinsfuß regelmäßig ein Prozent über dem Diskont- 
satz gehalten wird. Diese Seite der Deckungsfrage übersieht man, 
wenn man sich wundert, warum die Banken, wenn es gilt, Deckung für 
Noten und Depositen zu finden, Wechseln eines kleinen Händlers oder 
Fabrikanten den Vorzug vor der viel besseren Sicherheit von Pfand- 
briefen oder Aktien großer Gesellschaften oder gar Schuldverschrei- 
bungen mächtiger Staaten geben. Es soll eben durch die Deckung der 
von den Banken geschaffenen Zahlungsmittel nicht nur Sicherheit ge- 
schaffen werden, sondern daneben soll durch die Art der geforderten 
Deckung eine gewisse allgemeine natürliche Begrenzung der Zahlungs- 
mittelversorgung gewonnen werden. Als solche allgemeine Begrenzung 
eignet sich wohl die Produktion, nicht aber das Vermögen der Volks- 
wirtschaft, also das Angebot von Warenwechseln, nicht aber von Wert- 
papieren, die festes Kapital vertreten oder gar nur ungedeckte Schuld- 
verschreibungen darstellen. Die genannte Konsequenz ist jedoch keines- 
wegs allgemein gezogen, denn in England, wo der Gebrauch des Wechsels 
zurückgeht, finden wir, daß Lombardforderungen eine große Rolle als 
Deckung für Bankzahlungsmittel, besonders bei der Bank von England, 
spielen. 
Eine hinreichend strenge Begrenzung der Zahlungsmittelversorgung 
kann natürlich unter keinen Umständen durch die an die Deckungs- 
mittel gestellten Forderungen erreicht werden. Gewöhnlich dürfte 
schon der Wechselumlauf beträchtlich größer sein als der Zahlungs- 
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