$ 51. Die Quantitätstheorie. 3
haltung, vom Entwicklungsgrade der Tauschwirtschaft, von der Be-
völkerungsdichtigkeit, von der Entwicklung des Transportwesens usw.,
also mit einem Worte von Faktoren ab, die in der Theorie des Geld-
werts als gegeben betrachtet werden müssen. Dies schließt natürlich
nicht die Möglichkeit aus, daß Veränderungen des allgemeinen Preis-
niveaus oder der Geldmenge auch auf die Umlaufsgeschwindigkeit des
Geldes einen gewissen Einfluß haben können. Wenn die Umlaufs-
geschwindigkeit des Geldes als ein selbständiger Faktor bezeichnet
wird, so soll das nur heißen, daß sie selbständige, außerhalb des Preis-
bildungsproblems liegende Bestimmungsgründe hat.
Man kann daraus schließen, daß die Quantitätstheorie in der jetzt
gegebenen Form einen ganz bestimmten Sinn und einen positiven
Inhalt hat. Dieser Inhalt würde ganz verlorengehen, wollte man mit
Stuart Mill?) versuchen, das Element der Zeit auszuscheiden und die
Umlaufsgeschwindigkeit durch eine Leistungsfähigkeit des Geldes zu
ersetzen, die als Quote der gesamten Zahlungsleistung und der Geld-
menge.zu definieren wäre. Denn dann würde die Quantitätstheorie nur
besagen, daß die gesamte Zahlungsleistung gleich der Geldmenge
multipliziert mit dieser Leistungsfähigkeit des Geldes ist, und wäre
also auf eine bloße, vollständig nichtssagende Identität reduziert.
Der Inhalt der Quantitätstheorie ist immer, daß die vorhandene
Geldmenge eine bestimmte Zahlungsleistung hervorzwingen muß, und
daß das Preisniveau sich dem anzupassen gezwungen ist. In der pri-
mitiven Quantitätstheorie kommt diese Anschauung zum Ausdruck
in dem Satze, daß die gesamte vorhandene Geldmenge die Waren-
menge kauft. In der neueren Form der Quantitätstheorie wird diese
Voraussetzung gewöhnlich mit der Annahme ersetzt, daß die Um-
laufsgeschwindigkeit des Geldes konstant ist. Dies bedeutet ja, daß
in der Einhejtsperiode eine durch die Geldmenge bestimmte Zahlungs-
leistung vorkommen muß. Es liegt also im Wesen der Quantitäts-
theorie, den Wechsel des allgemeinen Preisniveaus auf die Veränderungen
der Geldmenge zurückzuführen zu suchen.
Wenn aber die Geldmenge in dieser Weise als ein selbständig
wirksamer Faktor in der Preisbildung aufgefaßt wird, ist es natürlich
notwendig, die Geldmenge selbst als in gewissen, außerhalb der Preis-
bildung liegenden objektiven Verhältnissen gegeben, oder wenigstens
als durch solche Verhältnisse mitbestimmt anzunehmen. Die Aufgabe,
die Bestimmungsgründe des allgemeinen Preisniveaus oder des Geld-
werts aufzusuchen, ist selbstverständlich nicht gelöst, bevor man bis
zu Faktoren vorgedrungen ist, die selbst als objektiv gegebene Momente
des Problems angesehen werden können.
In bezug auf die Geldmenge ist in dieser Hinsicht zu beachten, daß
ı) Principles of political economy. Book III, Ch. VII, 8 2,
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