$ 51. Die Quantitätstheorie. 5
vorrat liefert also keinen objektiven Grund für die Bestimmung des
Geldwertes, Ein Zurückführen des allgemeinen Preisniveaus auf ob-
jektive Bestimmungsgründe ist in der Tat nur möglich, wenn das all-
gemeine Preisniveau in Verbindung mit dem gesamten Goldvorrat
gesetzt wird. Dieser Vorrat ist entweder absolut gegeben, oder, falls
eine Produktion noch stattfindet, durch die technischen Produktions-
bedingungen mit bestimmt, und es ist also in beiden Fällen die Er-
klärung des allgemeinen Preisniveaus bis an objektiv gegebene Momente
fortgeführt. In der Gleichung TP = MV muß also M jetzt die gesamte
Goldmenge, V somit die Zahlungsleistung in der betrachteten Periode
pro Einheit dieser Goldmenge bedeuten. Betrachtet man zwei Fälle
mit derselben Zahlungsleistungsfähigkeit pro Einheit der gesamten
Goldmenge und demselben Realumsatz, kann man die Quantitäts-
theorie dahin formulieren, daß das allgemeine Preisniveau der ge-
samten Goldmenge direkt proportional ist.
Bisher haben wir vorausgesetzt, daß alle Zahlungen in Geld ge-
leistet werden. Es bleibt nun die Frage übrig, wie der Geldwert in der
Wirklichkeit bestimmt wird, wenn neben Geld auch Banknoten und
Bankdepositen als Zahlungsmittel in Betracht kommen. Eine Theorie
des Geldwertes, die das Preisniveau in Verbindung mit dem Umfang
der innerhalb einer gewissen Periode geleisteten Zahlungen setzt, muß
offenbar zu den Zahlungen in Geld sämtliche durch Bankzahlungsmittel
geleisteten Zahlungen addieren. Man hat dann TP = Zı + Zz -+ Zg, wO
Z,, Z, und Zz resp. die Beträge der Barzahlungen, der Zahlungen durch
Banknoten und der Zahlungen durch Schecks bezeichnen. Ganz wie wir
früher Z, durch M, V, ersetzt haben, können wir jetzt Z, durch M, V,
ersetzen, wo M, die zirkulierende Notenmenge und V, die Umlaufs-
geschwindigkeit der Noten bedeuten. Wenn auch diese Umlaufs-
geschwindigkeit in den beiden zu vergleichenden Fällen als dieselbe
angenommen Wird, zeigt unsere Gleichung, wie eine Vermehrung der
Notenzirkulation der Zahlungsleistung der Noten einen proportionalen
Zuwachs zuführt. In ähnlicher Weise kann man auch Zz3 durch Mz; Vz
ersetzen, wo M, den Gesamtbetrag derjenigen Bankdepositen, auf welche
Schecks gezogen werden können, bezeichnet. Da eine physische Um-
laufsgeschwindigkeit der Depositen sich nicht definieren läßt, muß
Vz als die Zahlungsleistung in der Periode pro Einheit der Depositen
definiert werden. Wenn diese Zahlungsleistungsfähigkeit ebenfalls
als unverändert angenommen wird, wird eine Steigerung des Gesamt-
betrags der Depositen einen proportionalen Zuschuß zu deren Zahlungs-
leistung liefern. Damit sind, unter Voraussetzung unveränderter
Ansprüche auf Zahlungen und unveränderter Ausnutzung der Zahlungs-
mittel, die Schwankungen des allgemeinen Preisniveaus auf drei Ver-
änderliche zurückgeführt, nämlich die Geldmenge, die Notenzirkulation
und die Menge der Depositen.
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