8 51. Die Quantitätstheorie. 7
die Abhängigkeit des Geldwertes von der Geldmenge erklären will, ist
es in der Tat das Natürliche, einen bestimmten Augenblick ins Auge zu
fassen, denn die Geldmenge selbst bezieht sich begrifflich auf einen
bestimmten Zeitpunkt. Um in einer bestimmten Einheitsperiode eine
gewisse Menge von Zahlungen leisten zu können, braucht die Tausch-
wirtschaft, bei gegebenen Zahlungsgewohnheiten am Anfang der Periode
einen gewissen Kassenvorrat. Es besteht also ein bestimmter Zu-
sammenhang zwischen Geldbedarf in einem Augenblick und Zahlungs-
leistung in der folgenden Einheitsperiode, und es ist ganz natürlich,
daß die Theorie des Geldwerts ebensowohl vom Geldbedarf wie von
der Zahlungsleistung ausgehen kann.
Wenn man also den Geldwert in Verbindung mit dem Geldbedarf
untersuchen will, liegt es nahe, das Problems des Geldwertes in der-
selben Weise zu behandeln, wie wir das allgemeine Problem der Preis-
bildung (Kap. IV) behandelt haben. Die zu bestimmende Veränderliche
ist im vorliegenden Falle das allgemeine Preisniveau, welches wir mit P
bezeichnen. Diese Veränderliche wird bis auf weiteres als gegeben an-
genommen, Damit ist nun aber das allgemeine Preisbildungsproblem
vollständig gelöst, die Preise sind auch ihrem absoluten Betrag nach
bestimmt. Vom Gesichtspunkt der Preisbildung ist dann der Geldbedarf
bestimmt. Wir nehmen nun an, daß dieser Geldbedarf unter im übrigen
gleichen Verhältnissen dem allgemeinen Preisniveau proportional ist,
Dies bedeutet, daß, wenn zwei selbständige Fälle verglichen werden, in
denen alle übrigen auf den Geldbedarf einwirkenden Faktoren dieselben
sind, der Geldbedarf in direktem Verhältnis zum allgemeinen Preis-
niveau steht. Der Geldbedarf läßt sich dann als ein Produkt von zwei
Faktoren darstellen: dem allgemeinen Preisniveau und dem Geldbedarf
bei einem als Einheit gewählten Preisniveau.
Dieser Geldbedarf beim Einheitspreisniveau ist eine vom Preis-
niveau unabhängige Veränderliche, die in erster Linie vom Umfang des
Realumsatzes T, also des in Geld gemessenen Umsatzes bei den Ein-
heitspreisen, abhängt und diesem proportional ist. Bei einer als Ein-
heit gewählten Höhe des Realumsatzes in einer gewissen Einheits-
periode ist aber der Geldbedarf am Anfang der Periode von der Ent-
wicklungsstufe und der Organisation der Geldwirtschaft bestimmt.
Diesen Geldbedarf beim Preisniveau 1 und beim Realumsatz 1 wollen wir
den relativen Geldbedarf nennen und mit R bezeichnen. R ist also
gleich dem Geldbedarf in einem gewissen Zeitpunkt pro Einheit der
Zahlungsleistung in der darauf folgenden Einheitsperiode. Allgemein.
ist der Geldbedarf in einem gegebenen Augenblick gleich der gesamten
Zahlungsleistung in der darauf folgenden Einheitsperiode, also TP,
multipliziert mit dem relativen Geldbedarf R, und ist folglich gleich dem
Produkt RTP.
Die Bestimmungsgründe dieses relativen Geldbedarfs haben wir im
40°