Full text: Theoretische Sozialökonomie

“_- Kap. XI. Der Geldwert. 
vorigen, Kapitel ausführlich behandelt. Der relative Bedarf an barem 
Geld hängt nach den Ergebnissen, die wir da gewonnen haben, be- 
sonders von der Konzentration der Kassenhaltung in den Banken und 
von der Verdrängung des Geldes in den privaten Kassen durch Bank- 
noten ab. Wir fanden, daß der relative Geldbedarf auf höheren Stufen 
der Entwicklung vermindert wird. Zu einer gegebenen Zeit und in 
einem bestimmten Lande kann aber dieser relative Geldbedarf als 
gegeben betrachtet werden. 
Wenn der Geldbedarf bestimmt ist, erfordert das Gleichgewicht, 
daß der Geldbedarf gleich ist der gesamten vorhandenen Geldmenge M, 
also RTP =M. Diese Gleichung genügt, um die Unbekannte, das all- 
gemeine Preisniveau, zu bestimmen. Damit ist das allgemeine Preis- 
niveau in seiner Abhängigkeit von Geldmenge und relativem Geld- 
bedarf dargestellt, und zwar zeigt sich bei einer Vergleichung zweier 
selbständiger Fälle, wo R und T unverändert sind, daß das allgemeine 
Preisniveau der Geldmenge direkt proportional ist. Dieses Ergebnis 
führt also auf die Quantitätstheorie zurück. 
Vergleicht man die jetzt zur Bestimmung des allgemeinen Preis- 
niveaus gewonnene Gleichung mit der oben aufgestellten Gleichung 
TP = MV, so findet man, daß R = ist, oder in Worten ausgedrückt, 
daß der Geldbedarf pro Einheit der Zahlungsleistung in der Einheits- 
periode gleich ist dem reziproken Wert der Umlaufsgeschwindigkeit 
des Geldes, also dem reziproken Wert der Zahlungsleistung der Einheit 
der Geldmenge in der Einheitsperiode, was eigentlich selbstverständlich 
ist. Die beiden zur Bestimmung des allgemeinen Preisniveaus auf- 
gestellten Gleichungen sind also identisch, was natürlich notwendig 
ist, da eine Unbekannte doch nur durch eine Gleichung bestimmt 
werden kann. 
Die Gleichung, die besagt, daß der Geldbedarf gleich der Geld- 
menge ist, bestimmt das Preisniveau nur, wenn die Geldmenge als ge- 
geben betrachtet werden kann. Bei einer Goldwährung ist aber die 
Geldmenge nicht scharf von der Goldmenge getrennt. Um das all- 
gemeine Preisniveau auf objektiv gegebene Faktoren zurückzuführen, 
muß man dann den gesamten Geldbedarf mit der gesamten Goldmenge 
vergleichen. Man muß also den folgenden Weg gehen: Man nimmt das 
allgemeine Preisniveau als gegeben an. Damit sind alle Preise gegeben, 
und dann ist offenbar der Goldbedarf für industrielle Zwecke bestimmt, 
und natürlich ebenso der monetäte Goldbedarf, also der gesamte Gold- 
bedarf. Dieser muß aber gleich dem gesamten Goldvorrat sein. Durch 
diese Gleichung wird das allgemeine Preisniveau bestimmt. Um die 
Quantitätstheorie aufrechtzuerhalten, kann hier angenommen werden, 
daß nicht bloß der monetäre, sondern auch der industrielle Goldbedarf 
dem allgemeinen Preisniveau proportional ist. Wenn dies der Fall ist, 
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